Im Streit über das Atomabkommen mit Iran haben die drei größten europäischen Staaten und die EU von der US-Regierung konkrete Ausnahmen von den Sanktionen gegen die Islamische Republik gefordert. "Als Alliierte erwarten wir, dass die Vereinigten Staaten von Maßnahmen Abstand nehmen, die die europäischen Sicherheitsinteressen gefährden", heißt es in dem Brief der deutschen, französischen und britischen Außen-, Wirtschafts- und Finanzminister, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Das auch von der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini unterzeichnete Schreiben vom 4. Juni richtet sich an US-Finanzminister Steven Mnuchin sowie US-Außenminister Mike Pompeo.

Konkret werden Ausnahmen für EU-Firmen gefordert, die nach dem Abschluss des Abkommens im Januar 2016 Verträge für Geschäfte in Iran abgeschlossen haben. Zu den Bereichen, für die die Europäer um Ausnahmen bitten, gehören pharmazeutische Produkte, die zivile Luftfahrt sowie der Auto- und Bankensektor.

Anfang Mai hatte US-Präsident Donald Trump den Vertrag mit dem iranischen Regime einseitig aufgekündigt und neue Sanktionen gegen Iran in die Wege geleitet. Durch sie werden europäische Unternehmen de facto vor die Wahl gestellt, ob sie mit Iran oder mit den USA Geschäfte machen wollen. So sieht das US-Sanktionsrecht Strafen für in den Vereinigten Staaten aktive europäische Unternehmen vor, wenn sie in Iran aktiv sind. Gleiches gilt für Banken, die Investitionen in dem Land absichern.

Der Atomstreit dürfte auch Thema des alljährlichen Gipfels der sogenannten G7-Gruppe sein. Am kommenden Freitag und Samstag treffen sich Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA in der kanadischen Provinz Québec. Das überragende Thema dürfte das Vorgehen von Trump gegen internationale Vereinbarungen und Institutionen sein. Neben dem Atomabkommen mit Iran betrifft dies auch die neuen US-Importzölle auf Stahl- und Aluminiumexporte sowie den Pariser Klimavertrag, aus dem die USA ebenfalls ausgestiegen sind.