Michael Voigtländer ist Leiter des Kompetenzfelds Finanzmärkte und Immobilienmärkte am Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. In diesem Gastbeitrag kommentiert er die Pläne der Bundesregierung, das Baukindergeld an eine Maximalgröße der Wohnungen zu koppeln.

Die Bundesregierung hat das Wohneigentum als Thema wiederentdeckt, zu Recht: In Zeiten niedriger Zinsen ist das Wohnen im Eigenheim oft günstiger als in Mietwohnungen. Hinzu kommt, dass Wohneigentum eine gute Ergänzung der Altersvorsorge darstellt. Doch um Hauskäufer und Bauherren zu fördern, ist das Baukindergeld das falsche Instrument.

Schon jetzt bereitet es Probleme: Im Koalitionsvertrag sind in dieser Legislaturperiode nur zwei Milliarden Euro für das Baukindergeld vorgesehen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft lägen die Kosten aber bei 3,2 bis 3,6 Milliarden Euro.

Nun versucht man Kosten zu reduzieren. Die Bundesregierung überlegt, das Baukindergeld nur dann zu zahlen, wenn eine Familie mit zwei Kindern nicht mehr als 120 Quadratmeter Wohnfläche kauft. Für jedes zusätzliche Kind darf die Wohnfläche um 10 Quadratmeter steigen. Tatsächlich sänken die Kosten dann etwa auf die veranschlagten zwei Milliarden Euro, rund 60.000 Familien gingen dadurch leer aus. Das Budgetziel würde somit also erreicht.

Inhaltlich ist es aber kaum nachvollziehbar, warum ein Haus mit 120 Quadratmetern gefördert wird, ein etwas größeres aber nicht. Zumal die Preise für Wohneigentum regional sehr unterschiedlich sind: In München sind 120 Quadratmeter Luxus, in vielen ländlichen Regionen ist es dagegen schwierig, überhaupt Einfamilienhäuser unterhalb dieser Größe zu finden. Viele Menschen ziehen ja gerade raus aus der Stadt, weil sie mehr Platz haben wollen – und diese Haushalte, die ganz nebenbei die Städte entlasten, sollen nun nicht gefördert werden? Darüber hinaus wird diese Flächenbegrenzung die Kreativität der Bauunternehmen und Architekten anregen: Wenn etwa die Wohnfläche begrenzt wird, aber etwa die Nutzfläche wie für Lagerräume nicht begrenzt wird, werden schnell Konzepte entwickelt, wie man hieraus später Wohnräume erstellen kann.  

Die Regierung hat richtig erkannt, dass der Kauf eines Eigenheims oft an fehlendem Startkapital scheitert. Allein für die Nebenkosten, bestehend aus Gebühren für den Makler, den Notar, den Grundbucheintrag und die Grunderwerbsteuer, muss man je nach Bundesland bis zu 15 Prozent auf den Kaufpreis aufschlagen. Zusätzlich braucht man noch einmal ebenso viel Eigenkapital, um einen Kredit zu erhalten, sodass man rund 30 Prozent des Kaufpreises angespart haben muss. Bei einem Kaufpreis von 250.000 Euro macht das bereits 75.000 Euro – aber nur elf Prozent der Mieter haben mehr als 50.000 Euro an Ersparnissen.

Es gibt bessere Alternativen

Doch das Baukindergeld hat zu wenige Unterstützer, und zwar aus guten Gründen. Nach den bisherigen Vorstellungen soll eine Familie mit zwei Kindern und einem Einkommen von bis zu 105.000 Euro insgesamt 24.000 Euro vom Staat bekommen. Dies erinnert fatal an die Eigenheimzulage, und das Baukindergeld wird ähnliche Probleme bereiten. Schließlich wird die Förderung in Ballungsgebieten vor allem die knappen Baulandgrundstücke weiter verteuern und damit letztlich in erster Linie den Grundstückseigentümern und Projektentwicklern zugutekommen. In weniger angespannten Regionen wird dagegen der Neubau angeregt – obwohl in vielen Landkreisen bereits heute mehr Einfamilienhäuser gebaut als tatsächlich benötigt werden.

Auch die Tatsache, dass für Kinder, die kurz nach dem Immobilienkauf geboren werden, keine Zulage gezahlt wird, ist schwer vermittelbar. Schließlich ziehen viele Paare gerade deswegen in ein Eigenheim, weil sie eine Familie planen. Die Flächenbegrenzung setzt dem Ganzen nun aber die Krone auf. Es wird Zeit, endgültig die Reißleine zu ziehen und das Vorhaben zu stoppen. Tatsächlich gibt es bessere Alternativen zum Baukindergeld.

Entlasten könnte die Haushalte etwa eine Reform bei den Erwerbsnebenkosten. Wie bei Vermietungen könnte auch beim Kauf derjenige den Makler bezahlen, der ihn bestellt – also in der Regel der Verkäufer. Das könnte Preiswettbewerb unter den Maklern verstärken und damit die Provisionen senken.

Durch Kreditausfallgarantien könnte der Eigenkapitalbedarf deutlich gesenkt werden. Würden diese mit langen Zinsbindungen und Mindesttilgungen verknüpft, wären die Risiken für den Staat sehr begrenzt.

Auch eine Reform der Grunderwerbsteuer nach britischem Vorbild wäre sinnvoll. Dabei wird ein Freibetrag mit einem Stufentarif verknüpft, sodass Erwerber günstigerer Immobilien entlastet, Käufer von sehr luxuriösen Immobilien dagegen prozentual stärker belastet werden. Im Gegensatz zum Baukindergeld wären alle diese Maßnahmen nur mit geringen Kosten für den Staat versehen, aber mindestens genauso effektiv.