Die Bezüge der rund 21 Millionen Rentner in Deutschland steigen zum 1. Juli um mehr als drei Prozent. Für die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Roßbach, zeigt die Anhebung die Stärke der gesetzlichen Rente. Sie sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Schaut man sich die Anpassungen in den letzten fünf Jahren an, so sind die Renten im Westen um insgesamt 13,8 Prozent und im Osten um 19,2 Prozent gestiegen." 

Zum 1. Juli werden die Renten im Westen um 3,22 Prozent und im Osten um 3,37 Prozent angehoben. Eine monatliche Rente von 1.000 Euro, die nur auf Westbeiträgen beruht, erhöht sich so um 32,20 Euro, eine gleich hohe Rente mit Ostbeiträgen um 33,70 Euro.

Roßbach sagte, damit profitierten auch die Rentner deutlich von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung. Im vergangenen Jahr hatten die Rentner im Osten 3,59 Prozent und im Westen 1,9 Prozent mehr bekommen.

Renteneinheit bis 2024

Bis 2024 soll die Renteneinheit vollzogen sein, das heißt die Renten im Osten sollen bis dahin an die im Westen angeglichen werden. Das verlangt ein Gesetz aus dem vergangenen Jahr. Die Angleichung soll in sieben Schritten erfolgen. Im ersten Schritt wurde zum 1. Juli der aktuelle Rentenwert Ost auf 95,8 Prozent des Westwerts angehoben. Bisher lag er bei 95,7 Prozent. Der Rentenwert gibt in Euro an, wie viel ein Entgeltpunkt in der Rentenversicherung wert ist; ein Entgeltpunkt wird anhand einer komplizierten Formel berechnet und ist maßgeblich für die spätere Höhe der Rente.

Roßbach sagt dazu: "Knapp 28 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung dauert der wirtschaftliche Angleichungsprozess zwischen Ost und West noch an." Daher sei es wichtig, unabhängig von der weiteren Entwicklung nach einem festen Fahrplan ein einheitliches Rentenrecht in Ost und West einzuführen. "Das wird von den Menschen in den neuen Bundesländern als wichtiges Signal verstanden."

Wegen der guten Konjunktur mit steigenden Löhnen und wachsender Beschäftigung erwartet die Rentenversicherung eine Rücklage, die bis zum Jahresende auf 34,8 Milliarden Euro anwächst – rund 1,4 Milliarden Euro mehr als Ende 2017.

Die Pläne der Koalition – unter anderem Verbesserungen für ältere Mütter und Erwerbsminderungsrentner – kosten allerdings Milliarden, hieß es auf einer Bundesvertreterversammlung der Rentenversicherung am Donnerstag. Ohne zusätzliches Steuergeld drohe das Rentenniveau – also das Verhältnis der Rente zum Durchschnittslohn – schneller zu fallen als bisher vorhergesagt und die Rücklage abzuschmelzen.

Die Koalition will zusätzlich das Rentenniveau sowie den Beitragssatz stabilisieren. Mittelfristig gerät die Rentenkasse außerdem unter Druck, weil die Menschen älter werden und immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner aufkommen müssen.