Azubis verdienen auf dem Bau und in der Metallindustrie das meiste Geld. Darauf weist die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung mit einer Studie kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres hin. Das absolut höchste Lehrlingsgehalt gebe es im westdeutschen Bauhauptgewerbe im vierten Lehrjahr mit 1.580 Euro. In der Metall- und Elektroindustrie verdienten Azubis schon im ersten Lehrjahr bundesweit mehr als 1.000 Euro.

Für die Studie hat das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung eine Tariftabelle ausgewertet. Demnach bekommen Azubis im Osten der Republik besonders wenig Geld. Die geringsten tariflichen Vergütungen würden in thüringischen Kfz-Werkstätten gezahlt, nämlich 610 Euro im ersten Jahr.

Es gebe sehr deutliche regionale Unterschiede. Diese seien besonders groß im Kfz-Handwerk: Im dritten Ausbildungsjahr bekämen künftige Automechaniker in Baden-Württemberg 956 Euro und in Brandenburg 660 Euro, die Differenz beträgt also 296 Euro. Im Einzelhandel variierten die Vergütungen ebenfalls stark: Sie bewegten sich zwischen 810 Euro in Mecklenburg-Vorpommern und 1.020 Euro in Hamburg. Das Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung informiert über sämtliche Vergütungen in 27 Wirtschaftszweigen in einem kostenlosen Onlineservice.

Deutlich weniger erhielten Auszubildende in manchen nicht tarifgebundenen Unternehmen, sagt Archivleiter Thorsten Schulten. Sie besäßen zwar ein Anrecht auf eine "angemessene Vergütung", nicht aber auf den gesetzlichen Mindestlohn. Diese Regel sei intransparent.

Ob ihr Betrieb nach Tarif zahlt oder nicht, spielt auch für Auszubildende eine große Rolle. Denn für sie gilt der gesetzliche Mindestlohn nicht. Sie haben zwar ein Anrecht auf eine "angemessene Vergütung", die sich am Tarifvertrag orientieren soll und das Niveau nicht um mehr als 20 Prozent unterschreiten darf. "In der wachsenden Anzahl nicht-tarifgebundener Betriebe", so Schulten, "werden jedoch häufig deutlich niedrigere Vergütungen gezahlt, da die Angemessenheit eines bestimmten Vergütungsniveaus kaum transparent ist."

Union und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag auf Druck der Sozialdemokraten darauf verständigt, im Berufsbildungsgesetz eine Mindestausbildungsvergütung zu verankern. Zuständig dafür ist Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Wie hoch diese sein soll, ist bisher offen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund plädiert für eine Untergrenze in Höhe von mindestens 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen des jeweiligen Jahres. Das wären 635 Euro im ersten Lehrjahr.

Höhere Vergütungen auch in Banken und Versicherungen

Die Studie unterscheidet drei Verdienstgruppen. Spitzenreiter ist die Metall- und Elektroindustrie, die als einzige Branche bereits zum Einstieg oft mehr als 1.000 Euro zahlt. Zwischen 900 und 1.000 Euro bekommen auch Azubis im Bank- und Versicherungsgewerbe, im Öffentlichen Dienst, in der chemischen Industrie, in der Druckindustrie und bei der Deutschen Bahn.

Zwischen 700 und 900 Euro bekommen Auszubildende in der Textilindustrie, im Bauhauptgewerbe und Einzelhandel, in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie und der Süßwarenindustrie. Im Westen gehören in diese zweite Gruppe auch das Private Verkehrsgewerbe, Gebäudereiniger, das Hotel- und Gaststättengewerbe und das KfZ-Handwerk. Weniger als 700 Euro werden ausschließlich in ostdeutschen Tarifbereichen gezahlt.

Bundeseinheitliche Reglungen zu Ausbildungsvergütungen gibt es nur in wenigen Branchen, etwa bei Banken und Versicherungen, dem Öffentlichen Dienst, der Druckindustrie oder der Deutschen Bahn. In allen anderen Bereichen ist neben einem West-Ost- mitunter auch ein Süd-Nord-Gefälle zu beobachten.