Das für 2019 geplante Recht auf Rückkehr von einer Teilzeitstelle in Vollzeit bleibt für die Mehrheit der teilzeitbeschäftigten Mütter ohne Wirkung. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Rheinischen Post vorliegt. Den Zahlen der Regierung zufolge sind von insgesamt 5,1 Millionen teilzeitbeschäftigten Müttern in Deutschland gut 3,1 Millionen in einem Betrieb mit weniger als 50 Mitarbeitern tätig. Die sogenannte Brückenteilzeit soll aber nur für Beschäftigte in Firmen ab 45 Mitarbeitern gelten. Damit fiele die große Mehrheit der betroffenen Frauen nicht unter die neue Regelung.

"Wenn zwei Drittel der Mütter von einem Rückkehrrecht ausgenommen sind, dann ist das ein fatales politisches Zeichen", sagte Linken-Politikerin Susanne Ferschl der Zeitung. Sie warf der Union vor, die Brückenteilzeit in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD beschränkt zu haben. Gebraucht werde "ein echtes Rückkehrrecht von Teil- in Vollzeit für alle". Die Wünsche der Beschäftigten müssten ernst genommen werden, sagte Ferschl.

Wunsch nach mehr Arbeit

Fast jede zweite erwerbstätige Frau hat keine Vollzeitstelle, bei den Müttern mit kleinen Kindern sind sogar knapp drei Viertel in Teilzeit beschäftigt. Eine Million Frauen würde der Regierungsantwort zufolge gerne 12,5 Stunden mehr pro Woche arbeiten. Wer lange nur Teilzeit arbeitet, hat im Alter einen geringeren Rentenanspruch. Vor allem vielen Frauen droht deshalb Altersarmut. Der Regierungsantwort zufolge wäre derzeit rechnerisch ein monatlicher Bruttoverdienst von 2.026 Euro erforderlich, um eine Nettorente oberhalb des Grundsicherungsniveaus von derzeit 814 Euro für Alleinstehende zu erhalten.

Das Rückkehrrecht war zwischen Union und SPD lange diskutiert worden. In der vergangenen Legislaturperiode scheiterte die damalige Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) noch am Widerstand der Union. Auch in den vergangenen Monaten lag das Projekt zeitweise auf Eis. Erst Mitte Juni beschloss das Bundeskabinett den Gesetzentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD).