Kurz nach dem Inkrafttreten von US-Importzöllen auf Waren aus China hat Peking wie angekündigt eigene Zölle verhängt. "Die chinesischen Maßnahmen sind mit sofortiger Wirkung in Kraft", teilte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums mit. Er nannte keine Einzelheiten zu bestimmten US-Produkten, die nun zusätzlich mit Zöllen belegt sind oder zum Wert dieser Waren. Im Vorfeld war von Elektroautos, Sojabohnen und Schweinefleisch die Rede.

Die US-Zölle auf chinesische Waren sind seit Mitternacht US-Ostküstenzeit in Kraft. Sie betreffen insgesamt 818 Produkte vor allem aus dem Hightechbereich, darunter Autos, Flugzeugteile und Festplatten. Ihr Wert beträgt 34 Milliarden Dollar (29 Milliarden Euro). China hatte angekündigt, Zölle im selben Wert zu verhängen.

Die Führung in Peking hat die Einführung von Importzöllen seitens der USA kritisiert: Washington beginne damit den "größten Handelskrieg der Wirtschaftsgeschichte". Der Außenamtssprecher bekräftigte, dies sei "das Letzte, was wir uns wünschen". In einem Handelskrieg gewinne niemand.

Trump drohte mit weiteren Zöllen von Hunderten Milliarden Dollar

US-Präsident Donald Trump begründet seine Zollpolitik mit dem enormen US-Handelsdefizit gegenüber China, das er als Ausdruck einer unfairen Handelsbeziehung betrachtet. Er hat bereits mit weiteren Zöllen auf chinesische Waren im Wert von Hunderten Milliarden Dollar gedroht.

China exportiert bisher deutlich mehr in die USA, als es aus den Vereinigten Staaten importiert. Daran stört sich Trump, begründet die neuen Zölle aber unter anderem mit Verstößen gegen Urheberrechte und unfairen staatlichen Subventionen für innovative Industrien in China.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht den Umfang der Zölle derzeit noch als zu klein an, als dass dies allein zu größeren Problemen für die Weltwirtschaft führen könnte. Allerdings befürchtet der IWF, dass weitere Zölle folgen werden. Der Handelskonflikt könne zudem die Märkte verunsichern.

Welthandel - Warum gibt es Handelskonflikte? Der Handelsstreit der weltweit größten Volkswirtschaften hat begonnen: Die USA erheben Importzölle auf Waren aus China. Das Video erklärt Auslöser und mögliche Folgen. © Foto: Liza Arbeiter

Auch deutsche Unternehmen von US-Zöllen gegen China betroffen

Zölle auf den gesamten Handel könnten nach Schätzungen das Wachstum in beiden Ländern in diesem Jahr um 0,2 oder 0,3 Prozentpunkte reduzieren. Der Schaden für das US-Wachstum sei größer, da Chinas Wirtschaft mit zuletzt 6,7 Prozent viel stärker wächst, ergab eine Analyse der DBS Bank. 

Mehrere Länder und auch die Europäische Union haben bereits bei der Welthandelsorganisation WTO gegen die US-amerikanische Politik geklagt. Trump droht seinerseits damit, aus der WTO auszutreten. Die USA blockieren derzeit die Neubesetzung von Stellen im Schiedsgericht der WTO. Sie argumentieren, bei der Besetzung der Richterstellen seien bisher US-Interessen nicht ausreichend gewürdigt worden.

Von chinesischen Strafzöllen auf Autoimporte sind weniger US-Hersteller als vielmehr deutsche Produzenten wie Mercedes und BMW betroffen, die China von ihren Werken in den USA aus beliefern. Daimler gab bereits eine Gewinnwarnung heraus. Fast jeder fünfte BMW, der auf dem größten Automarkt der Welt in China verkauft wird, kommt aus den USA.