Donald Trump will reden. Das ist eine gute Nachricht. Die entscheidende Frage ist jedoch: Wie viel Geduld hat der US-Präsident? Handelsgespräche sind auch ohne einen Querschläger wie Trump kompliziert. Ceta, das Handelsabkommen zwischen Kanada und der EU, hat Jahre gebraucht. Über das transatlantische Abkommen TTIP wurde schier endlos gestritten. Das Ergebnis: Es ist gescheitert – nicht nur, aber auch, weil Donald Trump es nicht wollte.  

Mit einem oft irrational agierenden US-Präsidenten am Verhandlungstisch werden Handelsgespräche, wie sie am Mittwoch zwischen der EU und den USA vereinbart worden sind, nochmals erheblich schwieriger. Denn Donald Trump hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder als äußerst faktenresistent gezeigt. Ein Beispiel: Trump will, dass auf europäischen Straßen mehr amerikanische Autos fahren. Dass dem nicht so sei, liege vornehmlich an den hohen Zöllen der EU, argumentiert er. Aber was macht Trump, sollten die EU-Zölle auf Autos wirklich sinken und die Europäer trotzdem keine Chevys fahren, sondern einen Volkswagen oder einen Renault bevorzugen? Wieder einen Handelsstreit vom Zaun brechen? Dass in Europa nur wenige amerikanische Autos verkauft werden, liegt allenfalls zu einem sehr geringen Teil an den Zöllen der EU.

Einzelne Zölle isoliert zu betrachten, ist völlig widersinnig. Ein gutes Zollsystem funktioniert meist in Form eines wechselseitigen Gebens und Nehmens. Die EU hatte höhere Zölle auf Pkw, die USA dafür auf Milchprodukten und Kleinlastwagen. Je nachdem welche Zahlen man betrachtet, ergibt sich ein komplett anderes Bild. 2015 haben die USA 5,7 Milliarden Dollar in Form von Zöllen auf Exporte in die EU bezahlt. Für Ausfuhren aus der EU in die USA wurden 7,1 Milliarden Dollar fällig, hat eine Studie des Münchner Ifo-Instituts ergeben. Ein Grund: Die EU ist viel stärker auf Exporte ausgerichtet als die USA. Im Mittel sind die Zölle der EU nur leicht höher als die der USA.

Dieser Komplexität müssen Handelsgespräche zwischen den beiden wichtigsten Wirtschaftsräumen der Welt Rechnung tragen. Immerhin soll jetzt sogar über die Annullierung sämtlicher Zölle und sonstiger Handelsbarrieren sowie aller Subventionen für industriell gefertigte Waren gesprochen werden. Trump geht es meist aber um den schnellen Sieg, um die Lücke, die sich zwischen zwei Tweets voller Eigenlob auftut. Worum es ihm bislang nicht ging: einen für beide Seiten gerechteren und vorteilhafteren Handel. Der Verhandlungstag am Mittwoch steht dafür beispielhaft: So soll die EU ab sofort mehr Sojabohnen importieren. Damit beruhigt Trump seine Kernwählerschaft, die amerikanischen Farmer im Mittleren Westen. Den Erfolg schickte Trump sofort per Tweet an die Öffentlichkeit.

Das Ergebnis in Washington ist somit allenfalls ein Burgfrieden. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat es geschafft, eine weitere Eskalation zu verhindern und Trump wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Geholfen hat Juncker der innenpolitische Druck, unter dem Trump gerade steht. Die amerikanische Wirtschaft und auch Teile der Republikaner wollen eine Eskalation im Handelskrieg verhindern. Das ist vielleicht das eigentlich Positive: In Amerika ist noch genügend Rationalität und Vernunft vorhanden, um Trump in entscheidenden Punkten in die Schranken zu weisen.