Großbritanniens Premierministerin Theresa May will die Brexit-Verhandlungen mit der EU künftig selbst leiten. Der bislang dafür zuständige Brexit-Minister werde sie dabei vertreten, teilte May dem britischen Parlament mit. Ihr Kabinettsbüro werde die "Gesamtverantwortung für die Vorbereitung und Führung der Verhandlungen" übernehmen, heißt es in der Mitteilung.

Das Brexit-Ministerium solle sich dagegen auf die innenpolitischen Vorbereitungen für den im März geplanten EU-Austritt des Vereinigten Königreichs konzentrieren. Es sei essenziell, dass die britische Regierung bei der Steuerung der Verhandlungen "auf die effektivste Weise" organisiert sei, begründete May die Entscheidung.

Opposition: Neuer Brexit-Minister bereits im Abseits

Die oppositionelle Labour-Partei urteilte, auf diese Weise werde der neue Brexit-Minister Dominic Raab ins politische Abseits gestellt, bevor er überhaupt in seine Rolle gefunden habe. Mays einflussreicher Brexit-Berater Olly Robbins schränkte allerdings vor einem Parlamentsausschuss ein, er bezweifle, dass die Premierministerin die direkten Gespräche mit EU-Verhandlungsführer Michel Barnier übernehmen werde. Dies falle weiterhin in den Aufgabenbereich Raabs. Dieser hatte das Amt vor rund zwei Wochen nach dem Rücktritt des Brexit-Hardliners David Davis übernommen.

Raab sagte vor dem Ausschuss, Robbins und er hätten immer "sehr eng" mit May zusammengearbeitet. Er hofft nach eigenen Worten weiterhin, dass sich Großbritannien bis Oktober auf ein Brexit-Abkommen mit der EU einigen werde. Raab hatte sich vergangene Woche mit Barnier in Brüssel getroffen. Ein weiteres Treffen ist laut Raab noch in dieser Woche vorgesehen.

Davis war ebenso wie Außenminister Boris Johnson aus Protest gegen Mays Brexit-Kurs zurückgetreten. May strebt auch nach dem Brexit eine enge Anbindung an die EU an. Dagegen gibt es im europaskeptischen Flügel von Mays konservativer Partei heftige Proteste.

Die Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien sind zuletzt kaum noch vorangekommen. Beide Seiten warnten deshalb davor, dass überhaupt kein Abkommen zustande kommen könnte und Großbritannien ungeordnet aus der EU ausscheiden könnte. Dieses No-Deal-Szenario wird von keiner Seite angestrebt. Doch sollten sich alle darauf vorbereiten, mahnte vergangene Woche die EU all seine Mitgliedsstaaten und betroffenen Unternehmen an.