Die US-Regierung will die vom Handelskonflikt mit China und der EU betroffenen US-Landwirte mit einem Milliardenzuschuss unterstützen. Agrarminister Sonny Perdue sagte in Washington, die Subventionen sollten sich auf insgesamt bis zu zwölf Milliarden Dollar (10,3 Milliarden Euro) belaufen. Die Hilfen sollen demnach unter anderem an Sojafarmer fließen, die von erhöhten chinesischen Einfuhrzöllen betroffen sind.

Einer Regierungsmitteilung zufolge würden die Maßnahmen den Landwirten durch drei Programme zugute kommen: in Form von Direkthilfen, eines Programms für Einkauf und Verteilung von Lebensmitteln sowie eines Handelsförderprogramms. Der Informationsdienst Politico hatte gemeldet, mit den Nothilfen solle sichergestellt werden, dass US-amerikanische Landwirte nicht die Hauptlast aus den eskalierenden Handelskonflikten der USA mit China, der EU und anderen Handelspartnern tragen müssten. Der US-Präsident versicherte, Landwirte würden aus den Handelskonflikten als "die größten Gewinner" hervorgehen.

US-Senatoren äußerten unterdessen starke Vorbehalte gegenüber dem Plan. Die Bauern wollten freien Handel, keine Almosen, sagte der Vorsitzende des Agrarkomitees, Pat Roberts. Seine Senatskollegen argumentierten, das vom Landwirtschaftsministerium vorgesehene Hilfspaket könne zwar kurzfristig helfen. Doch droht den Farmern, langfristig den Zugang zu Exportmärkten zu verlieren. "Wenn der Zollstreit vorüber ist ... wie bekommen wir diese Märkte zurück?", fragte Senator Jerry Moran aus Kansas, einer Region, die 2016 mehrheitlich Donald Trump ihre Stimme gab. Ben Sasse aus Nebraska kritisierte, Trumps Handelskrieg "zieht Farmern den Boden unter den Füßen weg" und das Weiße Haus gebe "zwölf Milliarden Dollar für Goldkrücken" aus.

US-Präsident Trump zeigte sich vor seinem Treffen mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zuversichtlich, dass die USA sich in den Handelskonflikten durchsetzen würden. Zugleich bat er seine Landsleute in einer Ansprache vor Veteranen in Kansas City um Geduld. "Wir müssen durchhalten", sagte Trump. "Diese Länder haben uns über Jahrzehnte abgezockt." Eine Lösung sei daher nicht in einer Woche zu erzielen. "Das dauert etwas länger. Aber wir werden es hinbekommen." 

Junckers Besuch wertete Trump als Eingeständnis der Schwäche der EU: "Sie kommen alle an. Sie wollen diese Zölle nicht gegen sie verhängt haben." Der US-Präsident ergänzte: "Was die EU uns antut, ist unglaublich. Wie schlecht." Trump hatte Zölle auf Importe von wichtigen Handelspartnern verhängt, die ihrerseits mit Einfuhrabgaben auf Lebensmittel aus den USA reagierten. Landwirte gehören in den USA zu wichtigen Unterstützern von Trump und seiner republikanischen Partei. Im Herbst finden in den USA Wahlen statt, ein Teil des Kongresses wird dann neu bestimmt.

"Zölle sind das Größte"

Jean-Claude Juncker will selbstbewusst in das Treffen gehen und hofft auf ein Angebot des US-Präsidenten. "Wir sitzen hier nicht auf der Anklagebank. Insofern brauchen wir uns auch nicht zu verteidigen", sagte Juncker in einem ZDF-Interview vor dem Besuch. "Es kann ja auch sein, dass Herr Trump uns auch etwas anzubieten hat." Juncker plädierte für einen Verzicht auf weitere Zollerhöhungen und eine "Beruhigung der Gesamtlage", richtete aber auch eine Warnung an Trump: "Wenn es zu Autozöllen kommt, dann muss die EU Gegenmaßnahmen ergreifen. Dazu sind wir bereit. Das haben wir nicht im Gepäck, aber im Kopf. Wir sind in der Lage, dass wir sofort adäquat antworten können." Sonderzölle auf Autoimporte würden vor allem die deutsche Wirtschaft deutlich stärker treffen als die bereits geltenden Abgaben auf Stahl- und Aluminiumprodukte. 

Trump hatte indes vor dem Treffen noch einmal klargestellt, dass er Zölle für den richtigen Weg hält. "Zölle sind das Größte", twitterte der Präsident. Andere Länder hätten die Wahl, schrieb er. Sie könnten eine faire Vereinbarung mit den USA abschließen oder müssten mit den Abgaben leben.

Unterdessen meldet bereits ein großes US-Unternehmen Gewinneinbußen als Folge des Handelsstreits. Der Motorradhersteller Harley Davidson teilte mit, dass der Nettogewinn im vergangenen Quartal auf 242,3 Millionen Dollar gesunken sei – sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.