Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur des Verbraucherportals "Finanztip". Er analysiert hier das neue Instant Payment, das seit Dienstag rund 50 Millionen Sparkassenkundinnen und -kunden nutzen können.

Bis zu sechs Tage dauert eine Überweisung von einer Bank zur nächsten – wenn man es am Gründonnerstag versucht. Bis jetzt jedenfalls. Doch dieses Beispiel für die Kundenvergessenheit deutscher Banken und Sparkassen gehört demnächst der Vergangenheit an.

Der Grund: Ab Dienstag können die 50 Millionen Kunden der deutschen Sparkassen die Blitzüberweisung nutzen. Das verspricht Instant Payment, die sekundenschnelle Überweisung von einem Konto zum anderen, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag.  Ungefähr die Hälfte aller Girokonten in Deutschland ist damit von dieser Woche an im Prinzip schnell erreichbar. Die Kunden der HypoVereinsbank haben diese Möglichkeit schon etwas länger. Die Deutsche Bank will kommenden November folgen, Volksbanken und Raiffeisenbanken planen ebenfalls ein ähnliches Angebot.

Keine Frage: Viele Kunden, die PayPal nutzen, haben dafür nur ein müdes Lächeln übrig. Aber für die Sparkassen beginnt jetzt eine Aufholjagd. Die Technik ist Erfolg versprechend: Ohne große Umwege können Kundinnen Freunden und Familie sekundenschnell Geld schicken – und diese können sofort darüber verfügen. Anders als bei PayPal können sie das Geld auch ohne Umwege sofort abheben.

Überweisung ans Finanzamt in Sekundenschnelle

Handwerker und Einzelhändler können so Firmen bezahlen und die Lieferung kann drei Sekunden später rausgehen. Und wer spät dran ist bei der Steuererklärung, der kann noch kurz vor 24 Uhr das Geld aufs staatliche Konto schicken, sofern auch das instant-fähig ist. Das Münchener Finanzamt etwa hat ein Konto bei der HypoVereinsbank, die, wie oben erwähnt, ganz vorn dabei war. Sie führte Instant Payment schon im vergangenen November ein, als die Europäischen Zentralbank den neuen Zahlweg in 34 Sepa-Länder eröffnete.

Aber nicht alle Finanzämter besitzen ein Konto bei der HypoVereinsbank. Womit wir beim Kern des Problems wären: Wirklich schnell wird die Überweisung nur, wenn Sender und Empfänger den neuen Geldversandweg nutzen. Die Kunden der HypoVereinsbank konnten so schnell senden, wie sie wollten: Wenn der Empfänger nicht auch einen Zugang zum Instant Payment hatte, zeigte ihr Rechner beim Onlinebanking eine Art Fehlermeldung und verwies sie auf den normalen langsamen Überweisungsweg. Denn bislang hat sich die Zahl der deutschen Kreditinstitute, die teilnehmen, in engen Grenzen gehalten.

Deswegen ist die neue Bezahlautobahn auch acht Monate nach der Einführung weit davon entfernt, sich durchzusetzen. Die Erfahrungen seien "durchaus vielversprechend", erklärt die HypoVereinsbank zurückhaltend. Selbst in der Werbung für das teure Exklusivkonto, dass die schnelle Dienstleistung kostenlos beinhaltet, wird Instant Payment nicht erwähnt.

Lieber mit PayPal zahlen

Viele Kunden, vor allem die Onlineshopper, bezahlen selbst bei der HypoVereinsbank also vermutlich weiter eher mit PayPal. Und der US-Konzern gibt eine Menge Geld aus, um bei allen Onlinehändlern prominent als Bezahlsystem angeboten zu werden, am besten auf Platz eins. Unter den Onlinehändlern hat PayPal den größten Anteil als Bezahlweg. Für das gemeinsame Zahlen in der Kneipe unter Freunden oder das Geldsammeln für ein Geschenk bieten die Amerikaner weitere Möglichkeiten per App an.