Jens Südekum ist ein deutscher Ökonom. Er ist Universitätsprofessor für internationale Volkswirtschaftslehre des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Es dürfte hitzig werden: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Handelskommissarin Cecilia Malmström treffen heute zu Gesprächen mit Donald Trump in Washington ein. Der US-Präsident hat Europa mehrfach mit einer Verschärfung des Handelsstreits gedroht. So will er möglicherweise Autos aus der EU mit Importzöllen von 25 Prozent belegen. Weitere Güter könnten folgen. Damit setze er sich gegen die Benachteiligung der USA zur Wehr, die sich aus seiner Sicht im großen amerikanischen Handelsdefizit zeigt.

Im Güterhandel gibt es dieses Defizit tatsächlich. Im vergangenen Jahr haben die USA insgesamt 153 Milliarden Dollar mehr aus der EU importiert als dorthin exportiert. Das hat freilich nichts mit unfairen Praktiken zu tun. Weder betreibt Europa Währungsmanipulation, noch schottet es seinen Markt ab. Zwar stimmt es, dass die EU im Mittel leicht höhere Zölle erhebt als die USA (3,3 Prozent versus 2,3 Prozent). Aber diese historisch gewachsenen Unterschiede sind viel zu klein, um ins Gewicht zu fallen.

Das Handelsdefizit besteht nicht, weil jemand Amerika am Exportieren hindert, sondern weil die Amerikaner große Freunde des schuldenfinanzierten (Import-)Konsums sind. Dafür kann Europa nichts.

Der Handel ist nicht einseitig

Außerdem ist die Handelsbeziehung gar nicht so einseitig wie oft behauptet. In einer globalisierten Welt werden schließlich nicht bloß Güter, sondern auch Dienstleistungen und Unternehmensanteile gehandelt. In diesen Bereichen sind die USA traditionell stark, vor allem im Internet- und Finanzsektor. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass diese Überschüsse das gesamte Defizit im klassischen Güterhandel mit der EU ausgleichen.

Juncker und Malmström können Trump deshalb ganz selbstbewusst erklären, dass ein Handelskrieg sehr teuer würde. Nicht bloß für die amerikanischen Konsumenten, die am Ende sowieso die Zeche zahlen. Auch für US-Unternehmen steht in Europa einfach zu viel Geld auf dem Spiel.

Welthandel - Warum gibt es Handelskonflikte? Der Handelsstreit zwischen USA und China, den weltweit größten Volkswirtschaften, ist immer noch nicht beigelegt. Das Video erklärt den Auslöser und mögliche Folgen. © Foto: Liza Arbeiter

Zeigt sich Trump unbeeindruckt und eskaliert den Konflikt trotzdem, muss Europa effektiv antworten. In der ersten Runde hat das gut geklappt. Auf Stahlzölle reagierte die EU mit Abgaben auf Harley-Davidson-Motorräder. Das Unternehmen kündigte darauf Produktionsverlagerungen an, was Trump auf Twitter scharf kritisiert hat. Eins zu null für die EU.

Dieses Muster – wie du mir, so ich dir – gilt es beizubehalten. Denn es ist nicht umsonst das zentrale Prinzip des regelgebundenen Welthandels. Ergreifen Mitgliedsstaaten der Welthandelsorganisation (WTO) unerlaubte protektionistische Maßnahmen, dürfen Betroffene sich wehren und ihrerseits Vergeltungszölle erheben. Diese Aussicht auf Retorsion soll Protektionisten von vorneherein abschrecken. Das hat in den vergangenen Jahrzehnten erstaunlich gut und geräuschlos funktioniert.