Fast überall in Deutschland kann man die Folgen der Hitze und Trockenheit sehen. Wiesen und Weiden sind gelb und verdorrt. Maispflanzen auf den Feldern wirken kümmerlich und viel zu klein. Der Deutsche Bauernverband rechnet bereits mit der "schlechtesten Ernte des Jahrhunderts". An rhetorischen Superlativen mangelt es nicht in diesem Sommer. Aber die Zahlen bestätigen, dass die Lage für die Landwirtschaft äußerst kritisch ist.

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47,4 Liter Regen pro Quadratmeter fielen im Juni durchschnittlich in Deutschland

Die erste Jahreshälfte war bisher so trocken wie lange nicht in der Geschichte der Wetteraufzeichnung. Seit Februar lag jeden Monat die durchschnittliche Regenmenge in ganz Deutschland deutlich unter dem Mittelwert des Deutschen Wetterdienstes. Im Juni wurde eine Niederschlagsmenge von 47,4 Litern pro Quadratmeter erreicht: ein Wert, der zuletzt im Jahr 2006 unterschritten wurde und davor 1976. Auch die anderen Monate weisen ähnlich niedrige Zahlen auf, sodass sich die Dürre in weiten Teilen Deutschlands schon über viele Wochen hinzieht – bundesweit fielen erst 44 Prozent des monatlichen Regen-Solls.

Quelle: Deutscher Wetterdienst

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7300000 Tonnen Wintergerste wurden dieses Jahr geerntet

Die Wintergerste ist, im Gegensatz zu anderen Getreidesorten, bereits größtenteils eingebracht – und die ersten Zahlen deuten auf sehr schlechte Erträge hin. Laut Bauernverband liegt die Erntemenge dieses Jahr bei 7,3 Millionen Tonnen, im Vorjahr waren es neun Millionen gewesen. Bundesweit wurden im Durchschnitt sechs Tonnen pro Hektar geerntet, 2017 waren es 7,4 – was einem Rückgang um 18 Prozent entspricht. Dabei wird Wintergerste im ganzen Land angebaut und nicht nur in den besonders von der Dürre betroffenen Regionen im Norden und Osten. Laut ersten Ergebnissen könnte es bei Getreidesorten wie Winterroggen, der vor allem im Norden und Osten angebaut wird, Einbußen von 40 Prozent geben.

Qualität und Menge können lokal sehr unterschiedlich ausfallen, heißt es vom Verband weiter. Ein Wärmegewitter zum Beispiel könnte an einem Ort den nötigen Niederschlag gebracht haben, der im Nachbarort fehle.

Quelle: Deutscher Bauernverband

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25 Prozent weniger und kleinere Kartoffeln

Auch die Kartoffelernte in Deutschland wird in diesem Jahr sowohl in der Menge als auch in der Qualität erheblich geringer ausfallen als im Vorjahr. Davon geht der Verband der kartoffelverarbeitenden Industrie aus. Branchenexperten und Landwirte rechneten bereits jetzt mit mindestens 25 Prozent weniger Ertrag, was sich sowohl auf die Menge der Knollen als auch auf deren Größe auswirke. "Knollen in Übergrößen, die für die Produktion von Pommes frites benötigt werden, sind bereits jetzt auf zahlreichen Böden kaum oder gar nicht vorhanden", teilte der Verband vor wenigen Tagen mit. Die Erntezeit beginnt für die Kartoffelbauern Anfang September. Wegen der Trockenheit und Hitze stünden die Kartoffelpflanzen vermehrt unter Stress und stellten das Wachstum der Pflanze ein. Auch eine Bewässerung, sofern diese überhaupt möglich ist, nütze in dieser Situation wenig.

Quelle: Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie

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10 Tage früher als vergangenes Jahr beginnt die Traubenlese

So früh wie nie zuvor lesen Weingüter in Deutschland dieses Jahr ihre Trauben. Den Anfang macht am 6. August ein Unternehmen im rheinland-pfälzischen Lörzweiler, heißt es vom Deutschen Weininstitut. Im vergangenen Jahr begann die Weinlese am 16. August, die Rekordmarke hielten bisher die Jahre 2007, 2011 und 2014 mit einem Start am 8. August.

Zunächst werde Federweißer gelesen, zeitlich liege man nun fast gleichauf mit italienischen Winzern, heißt es vom Institut. Besonders profitieren von dem sonnigen und trockenen Wetter dürften demzufolge Rotweine. Allerdings bestehe die Gefahr, dass es in den kommenden Wochen Starkregen gibt und dann bereits vollreife Trauben zerstört würden, sagte der Sprecher des Deutschen Weininstituts, Ernst Büscher.

"Der Entwicklungsstand der Reben ist dem 30-jährigen Mittel um drei Wochen voraus", sagt Büscher weiter. Der frühere Start sei ein Indiz für den Klimawandel. Langjährige Messungen im Rheingau zeigten, dass es seit 1988 mit den mittleren Temperaturen ständig nach oben gehe. Das habe die positive Folge, dass Winzer sich anders als in den Fünfziger- und Sechzigerjahren keine Sorgen machen müssten, dass ihre Trauben voll ausreiften. Andererseits wanderten Schädlinge aus Südeuropa ein.

Quelle: Deutsches Weininstitut

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1000000000 Euro Hilfe vom Staat fordern die Bauern wegen der Dürreschäden

Die wochenlange Dürre könnte viele Landwirte in Existenznöte bringen. In dieser Woche berät der Deutsche Bauernverband mit der Bundesregierung, ob betroffene Betriebe finanziell unterstützt werden sollen. "Eine Milliarde Euro wäre wünschenswert, um die Ausfälle auszugleichen", sagte der Präsident des Bauernverbands, Joachim Rukwied. Betriebe, deren Erträge um mehr als 30 Prozent unter dem Schnitt der letzten Jahre liegen, müssten direkte Hilfen erhalten. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) sagte, sie sei "sehr besorgt über die Auswirkungen der Dürre, unter der viele Bauern vor allem im Norden und im Osten Deutschlands leiden müssen". Es zeichne sich aber ein sehr unterschiedliches Bild ab. Während die Winzer mit einem sehr guten Jahrgang rechnen dürfen, treibe andere die Sorge um ihre Existenz um. Im August will das Ministerium seinen alljährlichen Erntebericht vorlegen, mit dem das vorläufige Ergebnis der Getreide- und Rapsernte festgestellt wird.

Quelle: Deutscher Bauernverband