Im Jahr 1990 veröffentlichte der amerikanisch-deutsche Wirtschaftswissenschaftler Rudi Dornbusch vom Massachusetts Institute of Technology ein Papier über die Ökonomie des Populismus. Dornbusch unterschied dabei vier Phasen:

Phase 1: Alles läuft gut. Die Löhne steigen und die Arbeitslosigkeit geht zurück. Die Welt ist in Ordnung, und der Populist fühlt sich bestätigt.

Phase 2: Die Alarmzeichen mehren sich. Die Inflation zieht an, das Budgetdefizit des Staates beginnt zu steigen.

Phase 3: Die Verschuldung läuft aus dem Ruder, die Inflation nimmt rasant zu, ausländische Investoren ziehen ihr Geld ab. Der Staat muss sparen und kürzt die Zuwendung an seine Bürger. Es wird jetzt allen klar, dass die guten Zeiten vorbei sind.

Phase 4: Eine neue Regierung wird ins Amt gewählt und muss die Scherben beseitigen. 

Dornbusch hatte sich die Erfahrungen mit populistischen Regierungen in Lateinamerika angeschaut, aber sein Modell beschreibt möglicherweise auch ganz gut, was sich in den Vereinigten Staaten unter US-Präsident Donald Trump abspielt.

Ganz so historisch ist das Wachstum nicht

Denn im Moment läuft es für Trump tatsächlich gut. Die Wirtschaft ist im zweiten Quartal dieses Jahres um 4,1 Prozent gewachsen. Das ist zwar keineswegs so historisch, wie Trump und seine Claqueure auf dem Propagandasender Fox News glauben machen wollen. In den USA werden Quartalswachstumsraten annualisiert veröffentlicht – also auf das Jahr hochgerechnet. In der in Europa gängigen nicht annualisierten Darstellungsweise entspricht den 4,1 Prozent ein Wert von etwa einem Prozent.

Und: Derartige Wachstumsraten sind in den USA nicht unüblich. Die Vier-Prozent-Marke wurde auch von Trumps Vorgänger Barack Obama viermal übertroffen. Oder wie Trump es formulieren würde: Die Rede von den historischen Wachstumserfolgen sind Fake News.

Gleichwohl ist die amerikanische Wirtschaft in einer sehr ordentlichen Verfassung, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Löhne steigen.