US-Präsident Donald Trump hat die Rekordstrafe für Google kritisiert und Maßnahmen gegen die EU angedroht. "Die Europäische Union hat gerade eine Fünf-Milliarden-Dollar-Strafe gegen eine unserer großartigen Firmen, Google, verhängt", schrieb Trump auf Twitter. "Sie haben die Vereinigten Staaten wirklich ausgenutzt, aber nicht mehr lange!" Was genau er damit meinte, führte der amerikanische Staatschef nicht weiter aus.

Die Europäische Kommission hat Google am Mittwoch wegen Wettbewerbsverstößen mit einer Strafe in Höhe von 4,3 Milliarden Euro belegt. EU-Kommissarin Margrethe Vestager begründete die Geldbuße damit, dass das US-Unternehmen seine Marktmacht missbrauche und für sein Smartphone-Betriebssystem Android unzulässige Vorgaben mache. "Google hat Android als Vehikel benutzt, um seine Dominanz als Suchmaschine zu zementieren", sagte die europäische Wettbewerbshüterin.

Zwischen den Vereinigten Staaten und der EU schwelt ein Handelsstreit. Die Regierung Trump hatte im März Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahlimporte und zehn Prozent auf Aluminium erhoben. Die EU verhängte als Reaktion darauf Zölle auf US-Waren wie Whiskey, Orangensaft und Motorräder. Am Mittwoch verkündete sie zudem Schutzzölle auf 23 Stahlprodukte. Diese Einfuhrabgaben richten sich nicht nur gegen US-Erzeugnisse, sondern gegen Stahlimporte aus allen Ländern. Damit soll vermieden werden, dass Produkte, die in den USA mit der Einführung neuer Zölle keinen Absatz mehr finden, zu Dumpingpreisen in die EU gelangen.

EU-Vertreter reisen nach Washington

Die Regierung in Washington prüft zudem Zölle auf ausländische Fahrzeuge. Das würde insbesondere die deutsche Wirtschaft treffen. Die EU arbeitet bereits an Gegenmaßnahmen für diesen Fall. "Dies haben wir gegenüber unseren amerikanischen Partnern klargemacht", sagte die Handelskommissarin Cecilia Malmström. Die Abgaben könnten laut einem Bericht der Wirtschaftswoche etwa auf Pharmaprodukte sowie Kohle erhoben werden.

Die Europäer sollen die Ankündigung der Google-Strafe einem Bericht zufolge bis zum Ende des Nato-Gipfels hinausgezögert haben, um keine Verstimmungen zu riskieren. Während des Treffens der Bündnispartner war es zum Streit mit Trump über die Verteidigungsausgaben gekommen. Ob das einen Einfluss auf den Zeitpunkt der Bekanntgabe der Geldbuße hatte, ist nicht bekannt. Die EU nahm danach aber offenbar in Kauf, die Regierung in Washington mit der Strafe zu verärgern.

Um nach Lösungsmöglichkeiten in dem Handelsstreit zu suchen, reisen Malmström und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in der kommenden Woche nach Washington. Am Mittwoch werden die beiden dort von Trump empfangen.