Arbeitsminister Heil sagte, sein Konzept fuße auf dem Koalitionsvertrag. Nach einer Abstimmung in den Bundesministerien werde es künftig im Bundestag weiterentwickelt. Insbesondere gebe es zur Mütterrente Gesprächsbedarf in den Regierungsfraktionen. Auch eventuelle verfassungsrechtliche Bedenken sollen in diesem Verfahren geklärt werden. Inkrafttreten soll das neue Konzept zu Jahresbeginn 2019.

Das Arbeitsministerium rechnet mit zusätzlichen Kosten von insgesamt 31,7 Milliarden Euro bis 2025*, davon soll der Bund 10,6 Milliarden bezahlen. Die übrigen zwei Drittel finanziert die Rentenversicherung. Die Beitragszahler müssen dafür auf eine im Jahr 2019 mögliche Beitragssenkung in Höhe von 4,5 Milliarden Euro verzichten.

Arbeitgebervereinigung nennt Reform "teuer und ungerecht"

Der linke Flügel der SPD fordert ein Rentenniveau von 50 Prozent, also zwei Punkte mehr als in der Koalition vereinbart. Ähnlich strebt es die Opposition an: In der AfD gibt es diese Zielmarke, nur die Linkspartei fordert 53 Prozent und hält das auch für finanzierbar.

Der Rentenexperte der Linkspartei, Matthias Birkwald, kritisierte, die Verbesserungen bei Erwerbsminderungsrenten gingen an den derzeit 1,8 Millionen Betroffenen "komplett vorbei". Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) begrüßte, dass der "automatische Renten-Sinkflug" bei einem Rentenniveau von 48 Prozent gestoppt sei. Die Bundesvereinigung der Arbeitgeber warf der Koalition dagegen "leichtfertige Leistungsausweitungen" vor. Das Rentenpaket sei "teuer und ungerecht".

DIW-Rentenexperte Johannes Geyer merkt an, man solle das Rentenpaket nicht daran messen, ob es Menschen vor Armut schützt. Das sei nicht das ausdrückliche Ziel von Rentenpolitik. "Wenn Menschen in Rente gehen, dann können sie meistens nichts Grundlegendes mehr an ihrer Einkommensposition ändern", sagt Geyer. "Wenn es darum geht, Altersarmut vorzubeugen, sind vor allem Maßnahmen gefragt, die den Menschen gute Einkommen während ihres Erwerbslebens sichern."

*Korrekturhinweis: In einer früheren Version des Textes war von Kosten von 30 Milliarden jährlich die Rede. Tatsächlich sind für die Reform insgesamt 31,7 Milliarden bis 2025 eingeplant.