Etwas Hoffnung machen die Frauen, die bisher mit 22 Prozent die geringste weibliche Beschäftigungsquote weltweit hatten. Sie sind oft besser motiviert als ihre männlichen Kollegen. Viele haben im Ausland studiert und wollen unabhängiger werden von der allgegenwärtigen männlichen Bevormundung. Bisher scheiterte ihr Zugang zum Arbeitsmarkt an gesellschaftlichen Tabus, fehlendem Transport, Restriktionen bei den Berufsfeldern und Blockaden in den Familien.

Seit dem 24. Juni jedoch dürfen Frauen endlich Auto fahren. Wer will, kann sich als Anwältin und Notarin niederlassen, als Verkäuferin oder Kassiererin arbeiten oder eine eigene Firma gründen. Selbst Armee und Polizei stehen Frauen künftig offen, Abertausende bewarben sich auf die neuen Stellen.

Kopfzerbrechen bereiten der Führung des Königreiches aber auch die galoppierenden Staatsausgaben. Bei Investitionen ist der Staat mit Abstand der größte Akteur, doch die Einnahmen sprudeln längst nicht mehr so wie zu Zeiten des Ölpreisbooms. Das saudische Staatsbudget ächzt seit drei Jahren unter Rekorddefiziten, die sich bis Ende 2018 auf etwa 150 Milliarden Dollar summieren. Erst kürzlich wurde das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts von 2020 auf 2023 verschoben. Etwa die Hälfte der 120.000 Firmen, die von Staatsaufträgen leben, können derzeit ihre Mitarbeiter nicht entlohnen, weil die Regierung die Rechnungen nicht bezahlt.

Hohe Investitionen, wenig Einnahmen

Trotzdem redet Mohammed bin Salman am liebsten in Superlativen, die unvorstellbare Summen kosten. Jüngstes Beispiel ist Neom, die geplante 500 Milliarden Dollar schwere Megastadt und Hightechzone am Roten Meer, die Saudi-Arabien mit Ägypten und Jordanien zusammenspannen soll. Auch den Tourismus will der Thronfolger entwickeln, um an der 200 Kilometer langen Korallenküste gegenüber der ägyptischen Baderegion neue Scharia-freie Ferienressorts zu bauen. Mit diesen Gigaprojekten soll der bisherige Schwerpunkt des saudischen Wirtschaftslebens auch territorial verlagert werden – weg aus der Ölregion im Osten, wo die staatliche Aramco ihren Sitz hat, hin zum Westen ans Rote Meer.

Dort sollen die Branchen der Zukunft angesiedelt werden. Einwände von Kritikern, dass keine der sechs seit 2005 angekündigten saudischen Retortenstädte bisher funktioniere, wischte Mohammed bin Salman bei der Vorstellung seiner neuen Hyperpläne vom Tisch. "Neom ist kein Ort für konventionelle Leute und für konventionelle Firmen", erklärte er. "Hier entsteht ein Platz für die Träumer einer neuen Welt."