Eine Entscheidung der griechischen Regierung über die Mehrwertsteuer verzögert die Auszahlung der letzten Hilfe für das einst überschuldete Land. Konkret geht es darum, dass die Regierung die Mehrwertsteuer auf fünf Inseln der Ostägäis nicht wie angekündigt auf den im Land üblichen Satz von 24 Prozent erhöhen will, sondern mindestens bis Jahresende bei 17 Prozent lassen. Als Grund wird die besondere Belastung der Inseln in der Flüchtlingskrise angegeben. Deswegen werden nach Regierungsangaben 28 Millionen Euro in der Staatskasse fehlen.

Die Bundesregierung sieht das als Änderung der bisher ausgehandelten Bedingungen für die Kredithilfe. Deshalb gibt es einen neuen Parlamentsvorbehalt, obwohl der Bundestag die letzte Hilfe Ende Juni bereits beschlossen hatte. Nun muss sich der Haushaltsausschuss des Bundestags noch einmal damit befassen.

Der europäische Rettungsfonds ESM teilte mit, sobald das deutsche Verfahren abgeschlossen sei, folge rasch die Auszahlung noch vor Ende des Hilfsprogramms am 20. August. Die Eurofinanzminister und auch das Direktorium des ESM hatten die Hilfe bereits gebilligt.  

In Griechenland stieß die Verzögerung vor allem bei Kommentatoren auf Kritik. Von einer "Ohrfeige der Geldgeber" schrieb die Zeitung Ta Nea. Aus dem Athener Finanzministerium hieß es, Minister Euklid Tsakalotos habe den Europartnern versprochen, die 28 Millionen Euro mit anderen Kürzungen auszugleichen, in erster Linie bei Rüstungsausgaben. Ein großes Problem sei die Verschiebung nicht.

Griechenland wurde seit 2010 mit internationalen Kredithilfen vor dem finanziellen Zusammenbruch bewahrt. Ab August soll das Land finanziell wieder selbstständig sein. Doch bleibt es bei Kontrollen der Gläubiger. Denn die Rückzahlungen der Kredite laufen. Deutschland hat durch die Beteiligung an der Kredithilfe Zinseinnahmen.