Es ist eine historische Zäsur. US-Präsident Donald Trump zerstört das Fundament, auf dem die internationale Handelspolitik seit dem Zweiten Weltkrieg fußt: globale Stabilität und Loyalität zu den engsten Verbündeten. Es waren die USA, unter deren Federführung Institutionen wie die Welthandelsorganisation aufgebaut wurden. Klar, immer auch zum Vorteil der USA. Aber in der Regel gemeinsam mit den westlichen Partnern, deren Werte man teilt. 

Diese Zeiten sind vorbei. Die Trump'sche Logik lautet: Allein sind die USA stärker. Bilaterale Abkommen würden Amerika mehr nutzen als zähe Verhandlungen in großer Runde, glaubt der US-Präsident. Multilateralismus? Für die amerikanische Administration mittlerweile ein Fremdwort. Die verbale Aufrüstung gipfelte in der vergangenen Woche in der absurden Äußerung, die EU sei allein gegründet worden, um ökonomisch mit den USA zu konkurrieren.

Trump stürzt die Welt in einen beispiellosen Konflikt

Mit seinem globalisierten Nationalismus hat Donald Trump die Welt in einen Handelskonflikt gestürzt, wie es ihn seit den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr gegeben hat. Auf Stahl und Aluminium hat der US-Präsident Importzölle verhängt, Ausnahmen gegenüber der EU wurden gestrichen. Brüssel hat Gegenmaßnahmen erlassen, ebenso die Regierung in Peking.

Am Freitag sind erneut US-Zölle gegenüber China in Höhe von 34 Milliarden Euro in Kraft getreten. Die chinesische Antwort kam prompt. Und so dreht sich die Spirale immer schneller: Trump hat sich vorbehalten, weitere Zölle in einem Volumen von 200 Milliarden Dollar oder gar 500 Milliarden Dollar einzuführen. So hoch sind die gesamten chinesischen Importe in die USA. Zugleich führt Trumps US-Botschafter in Berlin Gespräche mit den Chefs der deutschen Autokonzerne und nicht mit der EU in Brüssel. Sein Vorschlag: Alle Autozölle zwischen den USA und der EU zu streichen. Ein durchschaubarer Versuch, die Union zu spalten.

Am Ende ist die Entwicklung noch eins: vollkommen irre. Gewinner wird es keine geben, wenn die Preise steigen und das weltweite Wachstum nachlässt. Wenn immer mehr und höhere Zölle den Welthandel einschränken. Schon heute vertagen US-Konzerne ihre Investitionsentscheidungen, weil sie nicht wissen, wofür sich Trump morgen entscheidet. Oder sie bauen neue Standorte außerhalb den USA wie der Motorradhersteller Harley-Davidson. Und werden dafür von Trump via Twitter beschimpft.

Gibt es ein gutes Ende?

Auch wenn der Widerstand – gerade aus der amerikanischen Wirtschaft – mittlerweile zunimmt: Nichts deutet darauf hin, dass dieser Konflikt ein schnelles oder gar gutes Ende findet. Die Trump-Administration scheint tief überzeugt zu sein, dass die USA vom Rest der Welt über den Tisch gezogen würden. Es ist eines der zentralen Wahlkampfversprechen Trumps, diese vermeintliche Ausbeutung zu beenden. Welche Folgen das langfristig für die Weltwirtschaft hat, ist für den US-Präsidenten ohne Belang. Für ihn zählt, dass er auf seinem Heimatsender Fox News für seinen Patriotismus gelobt wird.

Der einzige Strohhalm, an den sich die Welt klammern kann, ist der amerikanische Wähler. Vielleicht wird er irgendwann erkennen, dass im Rustbelt keine neuen Jobs entstehen, die Zukunft nicht in der Kohle liegt, sondern alles nur teurer wird. Sollte es irgendwann so weit sein, wird es trotzdem sehr lange dauern, den enormen Schaden wieder zu reparieren.