Die US-amerikanische Wirtschaft boomt: Die Konsumausgaben steigen, die Unternehmen investieren mehr und die Exporte legen zu. Im zweiten Quartal lag das Wachstum bei rekordverdächtigen 4,1 Prozent. Das ist doppelt so hoch wie in den drei Monaten zuvor. Der Schub hat politische Auswirkungen, die bis nach Europa reichen.

Die Entwicklung ist umso erstaunlicher, weil der Aufschwung, wie ihn Ökonomen definieren, nun schon neun Jahre anhält und gemäß dem Konjunkturzyklus längst zu Ende sein müsste. US-Präsident Donald Trump lässt keinen Zweifel daran, wer für den anhaltenden Aufschwung verantwortlich ist: er selbst. Aber stimmt das auch?

Seine Kritiker verneinen es fast genauso lautstark. Die New York Times wies darauf hin, dass es sich, anders als von Trump dargestellt, keineswegs um einen historischen Sprung nach vorn handelte. Schließlich habe das Wachstum unter Trumps Vorgänger Barack Obama in mehreren Quartalen über vier Prozent gelegen. Im dritten Quartal 2014 belief es sich sogar auf 5,3 Prozent. Andere Skeptiker wiesen darauf hin, dass es sich um Effekte gehandelt habe, die sich in Zukunft in dieser Form nicht wiederholen werden. Darunter etwa die gestiegenen Bestellungen ausländischer Unternehmen, die sich noch vor der Einführung neuer Zölle eindecken wollten. Das hatte mit zum Anstieg der Exporte beigetragen. Eine Analyse des liberalen Center for Economic and Policy Research kommt gar zu dem Schluss, es gebe bislang keinen wirklichen Trump-Effekt. Die Wirtschaftsforscher hatten Modellrechnungen angestellt, indem sie Trends bei Wirtschaftsaktivität und Arbeitsmarkt fortschrieben, die bereits vor Trumps Wahl angefangen hatten.

Obamas Anhänger verteidigen ihren Präsidenten stets gegen den Vorwurf, er trage die Verantwortung dafür, dass die Erholung nach der Finanzkrise 2008 und der Großen Rezession nur schleppend in Gang kam. Jetzt leugnen Trumps Gegner, dass er etwas mit dem wirtschaftlichen Erfolg zu tun hat. Weder das eine noch das andere trifft vollständig zu. Die Idee, dass der Präsident auch der oberste Wirtschaftskapitän ist, gewann unter Bill Clinton an Bedeutung. Die Mahnung "It’s the economy, stupid", die er in seinem Wahlkampfbüro aufhängen ließ, wurde legendär. Unter seiner Präsidentschaft blieb die US-Wirtschaft zehn Jahre lang auf Expansionskurs – die bisher längste Aufschwungsphase ihrer Geschichte. Damals war die treibende Kraft die Globalisierung, die Clinton propagierte und die den US-Unternehmen zunächst neue Märkte eröffnete. Das erwies sich später als Bumerang, als die US-Konzerne im Wettbewerb mit Billiglohnländern ihre Produktion zunehmend ins Ausland verlagerten. Letztlich ist die Wahl Trumps eine Folge dieser Politik.

Nun spricht alles dafür, dass ausgerechnet Trump, der die Globalisierung rückgängig machen will, Clintons Rekord brechen wird. Das verdankt er vor allem seiner Steuerreform, die jetzt langsam zu wirken beginnt. Unternehmen profitieren von der radikalen Senkung des Steuersatzes von über 35 Prozent auf 21 Prozent. Bescheidener fallen die Steuererleichterungen für die Masse der Erwerbstätigen aus. Trotzdem fühlten sich viele Amerikaner offenbar wohlhabender. Ausgaben für Autos, Kleidung und Restaurantbesuche stiegen im Frühjahr um vier Prozent – so stark wie in vier Jahren nicht.