Die protektionistische Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump wird von Industrieunternehmen in den USA zunehmend mit Sorge betrachtet. Das ergab eine Umfrage der Zentralbank Fed. Viele machten die Maßnahmen verantwortlich für steigende Preise und Lieferprobleme, heißt es in dem Bericht zur Lage der Wirtschaft, dem sogenannten Beige Book.

In dem Bericht heißt es: "Unternehmen in allen Regionen haben ihre Sorge über Zölle geäußert, und viele Regionen berichten über höhere Preise und Lieferschwierigkeiten, für die sie die neue Handelspolitik verantwortlich machen."  

Die Fed teilt die USA in zwölf Regionen auf; bis zum 9. Juli ließ sie Firmen im ganzen Land befragen. Die Ergebnisse zeigen, dass Metalle und Bauholz bereits teurer wurden. Die Auswirkung auf die Verbraucherpreise sei aber noch "gering bis moderat", hieß es.

US-Wirtschaft derzeit in guter Verfassung

Ansonsten sei die Wirtschaft des Landes in guter Verfassung, attestierte die Fed. Sie wachse in "moderatem oder bescheidenem Maße". Problematisch sei der Fachkräftemangel, der die Arbeitgeber zu Lohnerhöhungen zwinge.

Der Chef der Zentralbank, Jerome Powell, hatte zuvor am Mittwoch in einer Kongressanhörung von den zunehmenden Sorgen der Unternehmen wegen der Handelskonflikte berichtet. Dies habe bereits Auswirkungen auf Investitionsentscheidungen.

Trump hat bereits eine Reihe von Importzöllen aus mehreren Ländern verhängt und weitere angekündigt. Allein auf chinesische Waren hat seine Regierung Zölle im Wert von 250 Milliarden Dollar verhängt oder angedroht. Wichtige Verbündete wie die Europäische Union verärgerte er mit Abgaben auf Stahl und Aluminium. Viele Handelspartner reagierten mit Gegenzöllen.

Trumps Sprecherin Sarah Sanders sagte, Trump konzentriere sich auf "langfristige wirtschaftliche Ziele", das Beige Book dagegen betrachte die kurzfristigen Folgen.

IWF hält US-Wirtschaft für besonders verwundbar

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, schrieb am Mittwoch in einem Blog, die negativen Auswirkungen eines internationalen Handelsstreits würden die USA wohl am stärksten treffen. "Die Spannungen in der Handelspolitik haben bereits ihre Spuren hinterlassen", so Lagarde. "Das Ausmaß der Schäden aber hängt davon ab, was die Politik als nächstes tut."

Dem IWF zufolge würde die Wirtschaftsleistung unter der Annahme, dass die angekündigten Zölle umgesetzt werden, 2020 weltweit um 0,1 Prozent gegenüber den bisherigen Erwartungen gebremst. Die Folgen würden Lagarde zufolge zwar alle Länder treffen. Die US-Wirtschaft sei aber besonders verwundbar.