Die Sanktionen der USA gegen den Iran belasten zunehmend auch die deutsche Wirtschaft. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres seien die deutschen Exporte in den Iran um vier Prozent gesunken, und dieser Trend halte an, sagte der Außenwirtschaftschef der Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

2017 seien die Exporte hingegen noch um 16 Prozent gestiegen. "Rund 120 deutsche Unternehmen haben in den letzten Jahren sogar ihre eigene Repräsentanz in Iran eröffnet", sagte Treier, "jetzt treten viele den Rückzug an."

Die Finanzierungsmöglichkeiten für das Land und auch für deutsche Betriebe verengten sich, befürchtet Treier angesichts der Tatsache, dass Kreditinstitute angekündigt hatten, nur noch bis Ende Juli Iran-Geschäfte abzuwickeln. Wie aus Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums hervorgeht, sichert der Bund mit staatlichen Exportgarantien – den Hermes-Bürgschaften – derzeit 57 Geschäfte im Iran mit einem Gesamtvolumen von 911 Millionen Euro ab.

Vollständiger Rückzug ist nicht ausgeschlossen

Die USA hatten nach der einseitigen Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran wieder Sanktionen gegen den iranischen Finanz- und Energiesektor verhängt. Erste Sanktionen sollen am 6. August wirksam werden. Die USA drohen Banken, die direkt oder indirekt Transaktionen mit iranischen Instituten unterstützen, ebenfalls mit Sanktionen. Bereits jetzt ist der internationale Zahlungsverkehr für iranische Banken stark eingeschränkt.

"Selbst die Unternehmen, die nicht direkt von den US-Sanktionen betroffen sind, beispielsweise aus dem medizinischen Versorgungswesen oder ohne US-Geschäft, finden aktuell keine Bank, die ihr Iran-Geschäft abwickelt", sagte der DIHK-Experte Treier. "Sollte nicht zeitnah eine Lösung herbeigeführt werden, ist zu befürchten, dass der Handel zum Erliegen kommt und sich die deutsche Wirtschaft gänzlich aus dem Iran zurückziehen muss."

Zweite Runde zielt auf Irans Ölgeschäft

Mit der ersten Runde von Sanktionen wollen die USA erreichen, dass der Iran keine US-Dollar erwerben und nicht mehr mit Gold und Edelmetallen handeln kann. Auch der Handel mit bestimmten Metallen, Rohstoffen und Industriesoftware soll unterbunden werden.

Eine zweite Runde von Sanktionen soll im November folgen. Sie zielt darauf ab, dem für den Iran so wichtigen Ölgeschäft zu schaden. Sollte es den USA gelingen, die iranischen Ölexporte massiv zu beschränken, würde das Land in eine schwere Krise stürzen, denn 70 bis 80 Prozent der Exporterlöse des Iran stammen aus dem Erdölsektor.

Die Sanktionen gegen den Iran waren im Zuge des Atomabkommens ausgesetzt worden. Die 2015 erzielte Vereinbarung sollte die Islamische Republik am Bau von Atombomben hindern. Der Iran hatte sich im Gegenzug für wirtschaftliche Lockerungen und mehr Investitionen ausländischer Unternehmen bereit erklärt, sein Atomprogramm aufzugeben. US-Präsident Donald Trump verkündete jedoch im Mai 2018 den Ausstieg der USA aus der Vereinbarung. Den jüngsten Vorschlag Trumps, neu über ein Atomabkommen zu verhandeln, bezeichnete Irans Außenminister als "PR-Stunt".