Damit dies gelingt, muss sich in Deutschland einiges ändern. Zum einen brauchen wir ein Umdenken darüber, welche Arbeitskräfte wir benötigen und anwerben wollen. Wir denken in Deutschland oft, nur hochqualifizierte und gutverdienende Hochschulabsolventinnen und -absolventen sollten als Fachkräfte in Frage kommen. So erfordert die Blue Card von potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern ein Jahreseinkommen von mindestens 52.000 Euro. Ärzte und Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen aus MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) können auch bereits mit einem Gehalt von 40.000 Euro im Jahr kommen.

Ein Altenpfleger kommt jedoch auf kein solches Gehalt. Es gibt aber gerade in der Pflege einen riesigen Bedarf an Fachkräften, der nur über eine starke Zuwanderung gelöst werden kann, selbst wenn nun längst überfällige Verbesserungen beim Einkommen und den Arbeitsbedingungen dieser Branche auf den Weg gebracht werden. Ähnliches gilt für viele andere Berufe im sozialen, aber auch in anderen Bereichen. Kurzum, wir benötigen dringend ein Umdenken dahin, dass eben nicht nur Menschen mit hohen Einkommen einen wichtigen Beitrag leisten, sondern gerade auch Menschen, die einen für unsere Gesellschaft wichtige Tätigkeit übernehmen, sebst wenn sie nicht gut bezahlt ist.

Die Blue Card als Vorbild

Auch sollten die Bedingungen für die Niederlassung in Deutschland für nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürger attraktiver gemacht werden. So gibt beispielsweise die Blue Card den Eingewanderten klare Rechtssicherheit, sich nach 33 Monaten in Deutschland niederlassen zu können. Auch der Familiennachzug wird erleichtert. Dies macht Deutschland nicht nur attraktiver für Fachkräfte, sondern unterstützt auch deren Integration in Deutschland. Übrigens betrifft dies nicht nur hochqualifizierte Fachkräfte, sondern alle Menschen, auch Geflüchtete, von denen wir erwarten, dass sie sich in Deutschland integrieren. Deshalb sollten alle Menschen, die in Deutschland leben dürfen, eine solche klare und langfristige Perspektive erhalten, nicht nur einige wenige.

Wenn Deutschland in Zukunft attraktiv für Fachkräfte sein und motivierte und gut qualifizierte Menschen nach Deutschland bringen will, dann erfordert dies auch einen grundlegenden Wandel in eine offenere, tolerante Gesellschaft. Denn Deutschland ist für sie – so zeigen viele Studien –  zumindest im nordeuropäischen Vergleich ein wenig attraktives Land. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und die stetige Polemik von einigen politischen und gesellschaftlichen Kräften werden auch im Ausland sehr wohl wahrgenommen.

Es braucht vor allem ein Einwanderungsgesetz, das die unterschiedlichen Richtlinien und Gesetze vereinheitlicht und verbindet, sodass es leichter und transparenter wird, dass sich Kandidatinnen und Kandidaten für Deutschland entscheiden. Es ist richtig, dass Deutschland in vielerlei Hinsicht bereits jetzt vergleichsweise liberale Zuwanderungsgesetze hat. Aber ein klares Bekenntnis für Zuwanderung, mit allen Pflichten, die dazu gehören, wäre ein wichtiges Signal sowohl nach außen als auch nach innen. Die Blue Card der EU macht vor, wie einige Elemente eines erfolgreichen Einwanderungsgesetzes aussehen könnten.