Im europaweiten Tarifkonflikt beim Billigflieger Ryanair werden auch die in Deutschland stationierten Piloten streiken. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat die fest angestellten Kapitäne und Piloten an den deutschen Basen für diesen Freitag zur gemeinsamen Arbeitsniederlegung mit Piloten aus Schweden, Irland und Belgien aufgerufen. Der Arbeitskampf werde am Freitagmorgen beginnen und bis Samstagmorgen dauern.  

Ryanair sagt wegen der Pilotenstreiks in Deutschland und anderen europäischen Ländern am Freitag 396 der europaweit mehr als 2.400 Flüge ab. Von den Streichungen betroffene Kunden sollten noch am Mittwoch informiert werden und könnten ihre Flüge kostenlos umbuchen, teilte Ryanair mit. Der Flugbetrieb solle am Samstag wieder normal aufgenommen werden.

Der Streik beginne laut Cockpit am Freitag genau um 3.01 Uhr und ende am Samstag um 2.59 Uhr. Es ist der größte Pilotenstreik in der Geschichte der Ryanair.  

Bislang hat allein die irische Gewerkschaft Forsa in dem europaweit geführten Tarifkonflikt vier Streiktage durchgeführt. Unter anderem wegen langer Ankündigungsfristen von sieben Tagen hatte das jeweils nur zu zweistelligen Flugausfällen zwischen Irland und Großbritannien geführt. In Deutschland beschäftigt Ryanair an zehn deutschen Basen rund 400 Flugkapitäne – ein Zehntel der gesamten Pilotenschaft.

Streiken für bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen

Bei dem Tarifkonflikt geht es um bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen bei der irischen Airline, die sich jahrzehntelang gegen Gewerkschaften und tarifliche Vereinbarungen gewehrt hat. Dazu müssen jeweils nationale Tarifverträge abgeschlossen werden, die Gewerkschaften koordinieren sich deshalb europaweit untereinander.

In der Nacht von Montag auf Dienstag war eine letzte Frist der Vereinigung Cockpit für ein verbessertes Tarifangebot verstrichen. Das Unternehmen habe nichts vorgelegt, was man als neues Angebot werten könne, hatte ein Sprecher der Gewerkschaft gesagt.

Auch jetzt sei vonseiten der Ryanair "kein konstruktiver Wille" zu spüren, Tarifverhandlungen zu führen, sagte Gewerkschaftspräsident Martin Locher. Daher trage das Unternehmen die Verantwortung für die Eskalation des Konflikts. Die Unannehmlichkeiten für die betroffenen Passagiere bedauerte die Gewerkschaft. Reisende sollten sich mit Fragen zu ihrer Verbindung direkt an Ryanair wenden, "da nur das Unternehmen selbst sagen kann, welche Flüge durchgeführt werden".