Die Dürre macht den Bauern und Bäuerinnen zu schaffen, die Bundesregierung verspricht Nothilfe: Mit 150 bis 170 Millionen Euro will der Bund durch die Trockenheit in Not geratene Höfe unterstützen. Zusätzlich soll ein ähnlich hoher Betrag aus den Haushalten der Bundesländer fließen.

Die Klimaforschung sagt: Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass extreme Wetterlagen – Trockenheit, Hitze, Gewitter mit Hagelschlag, Starkregen mit Überschwemmungen – künftig in Deutschland noch häufiger auftreten. Wie können sich die Landwirtinnen und Landwirte dagegen wappnen? Wir haben nachgefragt: bei einem Agrarökonomen aus Berlin, einem Milchbauern aus der Lausitz, einem Kartoffel- und Getreidebauern aus Niedersachsen und einem Biobauern aus Berlin.

Der Getreide- und Kartoffelbauer: "Wir brauchen mehr Risikovorsorge"

Holger Hennies, 48, bewirtschaftet bei Uetze zwischen Hannover und Wolfsburg in einer Betriebsgemeinschaft 600 Hektar Anbaufläche: vor allem mit Kartoffeln, aber auch mit Weizen, Gerste, Mais, Zuckerrüben und Zwiebeln. Einige Schweine hält er auch. Er ist Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen.

1. Wie schlimm hat die Dürre Ihren Hof getroffen?

Uns hat es vor allem beim Getreide wehgetan: Wir haben zwischen 20 und 50 Prozent weniger geerntet als sonst. Am größten waren die Einbußen beim Weizen, weil der auf einer Fläche steht, die wir nicht beregnen können. Dort versperrt eine dicke Tonschicht den Zugang zum Grundwasser.

Wir dürfen nicht so viel beregnen, wie nötig wäre.

Wir dürfen aber auch sonst nicht so viel beregnen, wie nötig wäre. Wir stehen in Konkurrenz zum Wasserwerk, und die Trinkwasserversorgung ist wichtiger als die Landwirtschaft. Zwar dürfen wir die vorgegebene Wasserquote in Ausnahmefällen bis zu einem gewissen Grad überziehen, doch das hat in diesem Sommer nicht gereicht. Weil die Kartoffeln, Zuckerrüben und Zwiebeln in diesem Jahr mehr Wasser brauchten, blieb noch weniger für das Getreide. Und wenn es richtig heiß wird, hilft auch Beregnen nichts: Bei 35 Grad wird der Weizen einfach reif, auch wenn die Körner noch nicht groß genug sind.

2. Wie muss sich die Landwirtschaft in Deutschland verändern, um besser gegen Wetterextreme und den Klimawandel gewappnet zu sein?

In Jahren wie diesem sind die Flächenzahlungen der EU für viele Betriebe existenziell. Sollten sie an noch mehr Bedingungen geknüpft werden, könnten sie für einige Betriebe wegfallen. Das würde die Not verschlimmern. Außerdem sollte der Staat Zuschüsse für wassersparende Beregnungstechnik zahlen.

Darüber hinaus brauchen wir mehr Risikovorsorge, um uns besser gegen Schwankungen zu schützen. Es gibt Versicherungen gegen Hagel und Sturm, aber bisher keine gegen Dürre, denn oft ist es schwierig, genau zu sagen, ob Trockenheit oder eigene Fehler für Schäden verantwortlich sind. Der Staat sollte hier bessere Voraussetzungen schaffen. Anderen Gewerben ist es auch möglich, eine Risikorücklage zu bilden. Uns noch nicht.

3. Was können Sie selbst tun, um Ihren Betrieb besser zu schützen?

Man muss Pflanzen anbauen, die mehr aushalten. Wir müssen da nach Süden schauen: Mais steckt Trockenheit ganz gut weg. Aber ein reiner Maisanbau geht auch nicht. Außerdem muss man, wenn man von extremen Wetterlagen spricht, auch an das vergangene Jahr denken – da hat es viel zu viel geregnet. Da leidet auch der Mais erheblich.

Über die letzten 30 Jahre hat es im Durchschnitt mehr geregnet als vorher. Allerdings kommt der Niederschlag unregelmäßiger und nicht in der Zeit, in der die Pflanzen ihn am meisten brauchen. Wir müssen darum zukünftig mehr Kulturen mit unterschiedlichen Erntezeitpunkten anbauen. Die Silberzwiebeln zum Beispiel ernten wir schon im Juli oder August. Da ist das Risiko geringer, als wenn man alles im Herbst erntet.

Das hilft aber nichts, wenn große Lebensmittelhändler die Preise trotz der knappen Ernte nach unten drücken. Wir verkaufen auch direkt an Endkunden, da können wir eher mal höhere Preise weitergeben. Wir suchen außerdem neue Einkommensquellen. Zusammen mit mehreren Kollegen baue ich ein Windrad.

4. Finden Sie die jetzt beschlossenen Nothilfen richtig?

Ja. Einige Betriebe sind nach zwei katastrophalen Jahren in einer Notlage, die brauchen das. Aber langfristig müssen wir uns auf den Klimawandel einstellen und der Staat sollte eher Anpassungsstrategien fördern.