Sprache ist politisch. Wenn zum Beispiel Minister, Journalisten oder Wirtschaftsvertreter von den Folgen der Erderwärmung reden, dann verwenden sie gern die Zeitform Futur. Da "werden" sich Naturkatastrophen häufen, drohen "zukünftige" Dramen, soll "langfristig" etwas geändert werden. Man bemerkt als Zuhörer kaum mehr, wie das nach Aufschub klingt.

Dabei ist das Futur beim Klimawandel schon lange von gestern. Wie sehr er in der Gegenwart angekommen ist, spüren die Landwirte besonders bitter. In diesem Sommer der verbrannten Erde spricht ihre deutsche Standesvertretung bereits von der "schlechtesten Ernte des Jahrhunderts". 

Eine gewaltige Summe

Wie gesagt: Sprache ist politisch, ein Instrument ist deshalb auch der Superlativ. Er dient dem Deutschen Bauernverband (DBV) allerdings nicht dazu, endlich mehr Tempo beim Klimaschutz anzumahnen. Dringlich findet er vor allem, dass seine Mitglieder kurzfristig Geld vom Staat bekommen. Noch rollen die Landmaschinen über die Felder, liegen nur Schätzungen der diesjährigen Ernten vor, da wird schon die konkrete Forderung genannt: eine Milliarde Euro. So viel sollen Bund und Länder verteilen, um fehlende Einnahmen auszugleichen.

Eine Milliarde: Das ist eine gewaltige Summe. Spontan erscheint sie daher typisch für die Selbstbedienungsmentalität einer Branche, die sich dank jahrzehntelanger Direktzahlungen aus Brüssel an Subventionen gewöhnt hat. Aber sind nicht auch Landwirte Unternehmer, die sich auf Risiken einstellen müssen? Und seien es die Unberechenbarkeiten der Witterung? 

Die Skepsis gegenüber der Handaufhaltepolitik des Bauernverbands wächst noch, weil keineswegs alle Höfe in Deutschland gleichermaßen unter der anhaltenden Trockenheit leiden. Teile Süddeutschlands und des Mittelgebirges kommen durchaus hin, Winzer und einige Obst- und Gemüsebauern erwarten sogar Rekordernten. Außerdem: Auch andere Weltregionen erwarten Missernten in diesem heißen Jahr. Die drohenden Defizite betroffener Landwirte könnten also durch höhere Marktpreise zumindest teilweise kompensiert werden.

Ministerin fordert Fakten

Aus all diesen Gründen ist es richtig, wenn die Agrarministerin erst einmal harte Daten sehen will, ehe die Bundesregierung in die Tasche greift. Das hat Julia Klöckner beim "Dürregipfel" noch einmal bekräftigt. Berlin könnte wegen des europäischen Wettbewerbsrechts nur aktiv werden, wenn ein Schaden "nationalen Ausmaßes" herrscht. Dafür würde auch Brüssel unzweifelhafte Nachweise fordern.

Einige Bundesländer versprechen jedoch bereits Zuwendungen, und wenn sie gezielt fließen, dann zu Recht. Viele Getreidebauern vor allem in Nord- und Ostdeutschland verdienen die Solidarität der Steuerzahler ebenso wie Tierzüchter, deren Grünfutter vertrocknet ist. Denn auch wenn Bauern heute Unternehmer sind: Die Landwirtschaft ist trotzdem kein Berufszweig wie jeder andere.