Lange war der Klimawandel weit weg, jedenfalls aus deutscher Sicht: Schmelzende Polkappen und Gletscher betreffen uns nicht direkt, könnte man meinen. Diesen Sommer aber erlebte Deutschland eine heftige Dürre, im vergangenen Jahr regnete es zu viel. Es spricht vieles dafür, dass solche Wetterextreme mit zunehmender Erderwärmung häufiger werden. Man kann die Bäuerinnen und Bauern als die ersten deutschen Opfer des Klimawandels sehen.

Trotzdem haben viele für sie eher Häme als Verständnis übrig. Die Landwirte trügen selbst zum Klimawandel bei, sie sicherten sich nicht ausreichend dagegen ab, und jetzt hielten sie auch noch die Hände auf, das hört man derzeit oft. Trotzdem hat Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ihnen nun 340 Millionen Euro an Nothilfe zugesagt. Zu Recht – denn die Kritikerinnen und Kritiker der Bauern machen es sich zu einfach.

Zwar trägt die industrialisierte Landwirtschaft unter anderem durch die Massentierhaltung und zu viel Dünger auf den Äckern zum Treibhauseffekt bei. Aber eine nachhaltige Landwirtschaft alleine könnte die globale Erderwärmung auch nicht aufhalten. Die Bäuerinnen und Bauern stecken im gleichen Dilemma wie wir alle: Wir wissen, was schädlich für das Klima ist, und verdrängen es immer wieder aufs Neue. Ja, viele Landwirte düngen zu viel. Aber viele von uns steigen auch regelmäßig in den Flieger, noch mehr essen jeden Abend ihr Wurstbrot.

Die meisten Menschen tun eben nur etwas gegen Bedrohungen, die unmittelbar bevorstehen, und nichts gegen so etwas Abstraktes wie die globale Erwärmung – oder dagegen, dass die Rente in 30 Jahren nicht reichen könnte. Deshalb ist es scheinheilig, den Landwirten jetzt die Hauptschuld am vom Menschen verursachten Klimawandel zuzuschieben und andere Industrien und sich selbst auszunehmen.

Beregnung ist teuer

Hätten sich die Bauern aber nicht zumindest besser auf Wetterextreme vorbereiten müssen? Immerhin sagt die Klimaforschung seit Jahrzehnten voraus, dass sie mit dem Klimawandel auch bei uns häufiger und heftiger werden. Und künstliche Bewässerung ist doch kein Hexenwerk. So einfach ist es leider nicht. Die Landwirte können nicht mit dem Gartenschlauch gießen, sie brauchen komplexe Beregnungsanlagen – und die müssen sie erst einmal finanzieren. Da es bisher selten so lange so trocken war, haben viele die Investition aufgeschoben.

Andere würden gerne investieren, scheitern aber daran, dass sie den Zugriff aufs Grundwasser erst aufwendig beantragen müssen und im Zweifelsfall das Wasserwerk nebenan – zu Recht – Vorrang erhält. Hinzu kommt: Die Bauern müssen sich nicht nur auf Dürrephasen einstellen, sondern auch auf zu viel Niederschlag, so wie im vergangenen Jahr. Regnet es zu viel, stehen die teuren Bewässerungsanlagen auf überschwemmten Feldern.

Gegen manche Extremwetterlagen können sich Landwirte zwar versichern, etwa gegen Sturm und Hagel. Aber Versicherungen gegen Trockenheit sind deutlich teurer und, so sagen die Bauern, kaum bezahlbar. Hier könnte die Politik helfen. Aber auch das kostet – und zwar nicht einmal, wie jetzt die Nothilfen, sondern dauerhaft.

Schwieriges Gewerbe Landwirtschaft

Was den Landwirtinnen und Landwirten bisher allerdings noch mehr zusetzt als der Klimawandel, ist der Preisdruck. Lebensmittel sind in Deutschland viel zu billig: In nur acht Staaten geben die Menschen einen noch geringeren Teil ihres Einkommens für Nahrung aus. Milch für 61 Cent pro Liter erleichtert es den Bauern nicht gerade, klimafreundlich zu wirtschaften und Geld für schwierige Zeiten oder nötige Investitionen zurückzulegen.

Ja, auch Landwirte sind Geschäftsleute, und Geschäfte bergen Risiken. Aber in kaum einem Gewerbe sind die Bedingungen so schwierig. Und sie werden durch den Klimawandel immer schwieriger. Daran sind die Bauern nur bedingt schuld.

Deshalb ist es richtig, dass die Bundesregierung ihnen jetzt helfen will. Diese Unterstützung – zusätzlich zu den EU-Subventionen – muss jedoch ein Einzelfall bleiben. Dafür muss sich in der Landwirtschaft einiges ändern: Sie muss in Zukunft klimafreundlicher wirtschaften und sich besser auf extreme Wetterereignisse einstellen.

Die Politik kann und sollte ihr dabei helfen, etwa mit Zuschüssen zu Beregnungsanlagen, indem sie Steuererleichterungen für Rücklagen gewährt, oder durch eine EU-Agrarpolitik, die die Bauern zu mehr Klimaschutz anleitet. Ebenso dringend aber brauchen die Bauern die Einsicht der Kundinnen und Kunden, dass Landwirtschaft ein teils unberechenbares Geschäft ist und gute Lebensmittel ihren Preis haben. Im Moment zahlen wir alle den zwar nicht an der Supermarktkasse. Aber über unsere Steuern.