Beschäftigte in Ostdeutschland arbeiten weiterhin länger als im Westen – und verdienen weniger. Das ergeben Daten der Statistischen Ämter von Bund und Ländern, die die Linke-Bundestagsfraktion ausgewertet hat. Demnach leisteten die Arbeitnehmer in den alten Bundesländern im vergangenen Jahr durchschnittlich 1.279 Arbeitsstunden. Im Osten (mit Berlin) waren es 1.346 Stunden, also 67 mehr. Wird Berlin dem Westen zugerechnet, sind es im Osten sogar 75 Stunden mehr. Zugleich lagen die Jahresbruttolöhne je Arbeitnehmer im Westen mit 35.084 Euro um fast 5.000 Euro höher als in den neuen Ländern mit 30.172 Euro.

"Die Bundesregierung hat sich offensichtlich mit einem Sonderarbeitsmarkt Ost abgefunden", sagte die Sozialexpertin der Linkspartei, Sabine Zimmermann, der Deutschen Presse-Agentur und bezeichnete das als inakzeptabel. Die Spaltung am Arbeitsmarkt halte auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Wende an, was Zimmermann zufolge vor allem daran liegt, dass es im Osten deutlich weniger Beschäftigte mit Tarifverträgen gibt.

Das zeigen auch Daten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, wonach im Westen noch acht Prozent der Tarifbeschäftigten Wochenarbeitszeiten von 40 Stunden hatten, im Osten aber 40 Prozent. Laut den Statistiken, die die Linkspartei ausgewertet hat, wurde 2017 durchschnittlich am längsten in Thüringen gearbeitet, und zwar mit 1.371 Stunden. Es folgen Sachsen-Anhalt mit 1.362 Stunden und Mecklenburg-Vorpommern mit 1.353 Stunden je Arbeitnehmer. Am wenigsten Arbeitsstunden waren es in Nordrhein-Westfalen (1.261), im Saarland (1.259) und in Rheinland-Pfalz (1.255).

Hamburg bei Löhnen und Gehältern vorn

Erfasst wurden die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden am jeweiligen Arbeitsort – auch bei Beschäftigten mit mehreren gleichzeitigen Jobs. Nicht einbezogen werden etwa Urlaub, Elternzeit, Feiertage, Kurzarbeit oder Abwesenheit wegen Krankheit. Dabei gehe es weder um "Intensität noch Qualität der geleisteten Arbeit", erläutern die Statistikerinnen und Statistiker. Nicht korrekt sei daher, von Unterschieden im "Fleiß" oder der "Arbeitsbereitschaft" zu reden.

Bei den Löhnen und Gehältern je Arbeitnehmer war Hamburg Spitze mit 40.771 Euro brutto im vergangenen Jahr. Es folgen Hessen (37.832 Euro) und Baden-Württemberg (36.786 Euro). Am wenigsten verdienten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer demnach im Schnitt in Mecklenburg-Vorpommern mit 27.520 Euro, davor lagen Sachsen-Anhalt (28.607 Euro) und Brandenburg (28.715 Euro). 

Wie hoch Verdienste regional ausfallen, kann davon abhängen, ob es Unternehmen mit gut bezahlten Jobs gibt. Einfluss auf die Gehaltshöhe hat auch die Qualifikation von Arbeitnehmern, zu denen in diesem Fall unter anderem Arbeiterinnen und Angestellte gezählt werden, aber auch Beamte, Richterinnen, Soldaten, Auszubildende und Praktikantinnen. Über die Kaufkraft sagt die Höhe der Bruttolöhne allein noch nichts aus. Das wiederum hängt von den Lebenshaltungskosten etwa für Miete oder Lebensmittel ab, die sich regional ebenfalls unterscheiden.