Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will den Ausbau der Stromnetze in Deutschland deutlich beschleunigen und damit eine "sichere und bezahlbare Energiewende" gewährleisten. Dafür stellte Altmaier einen Plan vor, der einerseits die bestehenden Netze verbessern und andererseits das Ausbautempo erhöhen soll.

Im Herbst solle deshalb das sogenannte Netzausbaubeschleunigungsgesetz novelliert werden. Gleichzeitig sollen die bestehenden Netze mithilfe neuer Technik optimiert werden, beispielsweise indem zwischen Freilandmasten Leiterseile zum Stromtransport eingesetzt werden, die größere Temperaturen aushalten können oder Netze intelligenter gesteuert werden.

Ziel des Plans sei es, die Kosten für die geplanten Leitungen möglichst gering zu halten: "Wir müssen jetzt erreichen, dass der Stromtransport nicht zu einem neuen Preistreiber wird", sagte Altmaier.

Für Skepsis in der Bevölkerung gegenüber Strommasten äußerte Altmaier Verständnis. "Die Freileitungen müssen so verlegt und geplant werden, dass sie die Wohnbevölkerungen möglichst wenig beeinträchtigen", sagte Altmaier dem Sender Phoenix. Es werde aber auch in Zukunft freiliegende Leitungen geben müssen. Bei Wechselstromleitungen, von denen noch mindestens 900 Kilometer gebaut werden müssten, sei die Technologie für eine unterirdische Erdverlegung noch nicht entwickelt.

Die Umweltschutzorganisation WWF forderte in Reaktion auf Altmaiers Plan, mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien nicht auf den Netzausbau zu warten. "Schon die bestehenden Netze können weitaus mehr klimafreundlichen Strom aufnehmen, wenn die fossilen Energien sie nicht länger verstopfen", sagte WWF-Energieexperte Henrik Maatsch.

Die Energiewende hat enorme Folgen für das Stromnetz, das an seine Kapazitätsgrenze zu kommen droht. Denn der Windstrom muss von den Küsten in die großen Industriezentren im Süden und Südwesten transportiert werden. Dafür sind Tausende Kilometer neuer Stromleitungen nötig. Nach aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur sind von erforderlichen 7.700 Kilometern beim Netzausbau im Zuge der Energiewende derzeit 1.750 Kilometer genehmigt und nur 950 realisiert.

Gegen den Bau neuer Stromautobahnen und neuer Leitungen gibt es an vielen Orten Widerstand von Anwohnerinnen, Landwirten und Umweltschützern. Es gibt zahlreiche Einwände von Bürgerinnen und Bürgern, lange Planungs- und Genehmigungsverfahren und Streit unter Bundesländern über den Verlauf von Trassen.