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260000 Flüchtlinge dürfen seit 2017 arbeiten

261.702 Anträge auf Asyl hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Jahr 2017 positiv beschieden. Diese Flüchtlinge fallen unter die sogenannte Gesamtschutzquote. Sie dürfen arbeiten, weil sie entweder als Flüchtlinge anerkannt sind, unter Schutz stehen oder nicht abgeschoben werden dürfen. In einigen Fällen, etwa bei Duldung und Abschiebeverbot, müssen jedoch zusätzlich die Ausländerbehörden über die Arbeitserlaubnis entscheiden. Hinzu kommen Menschen, deren Asylverfahren zwar noch läuft, die aber trotzdem unter bestimmten Bedingungen arbeiten dürfen. Sie müssen jedoch damit rechnen, später abgeschoben zu werden.

Insgesamt entschied das BAMF im Jahr 2017 über 603.000 Asylanträge. In 43,4 Prozent der Fälle erhielten die Bewerber einen Schutzstatus, in mehr als der Hälfte der Fälle also nicht. Im ersten Halbjahr 2018 reduzierte sich die Schutzquote noch einmal deutlich: Inzwischen wird nicht einmal jeder dritte Antrag positiv entschieden, nur rund 39.600 Menschen galten in dem Zeitraum als schutzbedürftig. Im Juni 2018 war es sogar nur noch jeder Vierte. Zudem werden immer weniger Asylanträge gestellt: 2015 reichten 476.000 Menschen einen Asylantrag beim Bundesamt ein (Erst- und Folgeantrag), 2016 waren es sogar 745.000 Flüchtlinge, 2017 aber nur noch rund 223.000 Menschen und im ersten Halbjahr 2018 gut 93.000 Antragsteller. Den 15.000 Asylverfahren, die im Juni 2018 abgeschlossen wurden, stehen allerdings 53.000 noch unentschiedene Verfahren gegenüber.

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500000 Flüchtlinge suchen Arbeit

 
187.000 Menschen mit Schutzstatus sind derzeit offiziell als arbeitslos gemeldet. Diese Zahl hat sich seit Sommer 2017 nicht groß verändert. Die Zahl der unterbeschäftigten Flüchtlinge ist jedoch etwa doppelt so hoch – es sind 395.000 Geflüchtete. Zu ihnen zählt die Statistik der Arbeitsagentur jene, die gern mehr arbeiten würden, die, die in Umschulungen stecken oder zeitweilig durch Krankheit und Traumatisierung nicht arbeitsfähig sind. Die Zahl sinkt seit ihrem Höchststand von 2017 jedoch wieder. Vor einem Jahr gab es noch etwa 420.000 unterbeschäftigte Flüchtlinge.

Eine halbe Million Flüchtlinge gelten laut Bundesagentur für Arbeit offiziell als arbeitssuchend. Dazu zählen jedoch auch jene Menschen, die noch Integrations- und Sprachkurse besuchen. Im vergangenen Jahr absolvierten 292.000 Flüchtlinge einen Integrationskurs. Allein in Bayern beenden in diesem Jahr außerdem rund 10.000 Geflüchtete einen Berufsvorbereitungskurs in den Berufsschulen, weil sie eine Ausbildung oder Arbeit antreten wollen. Bei vielen von ihnen läuft allerdings noch das Asylverfahren, deshalb kann es passieren, dass sie später noch abgeschoben werden. Das ist für sie – und ihre späteren Arbeitgeber – eine große Unsicherheit, mahnen die Industrie- und Handelskammern an.

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307000 Flüchtlinge aus dem Irak, Syrien und Afghanistan haben Arbeit

Insgesamt haben rund 307.000 Geflüchtete aus den Hauptherkunftsländern Irak, Afghanistan und Syrien Arbeit gefunden, sagt die Bundesagentur für Arbeit. Davon haben knapp 240.000 eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen, weitere 69.000 Personen sind geringfügig beschäftigt. Allein von August 2017 bis Juli 2018 wurden 101.000 Flüchtlinge in Jobs vermittelt, sagt die Arbeitsagentur. Davon 80 Prozent am ersten Arbeitsmarkt.

Die Beschäftigungsquote der Flüchtlinge liegt damit aktuell bei 27,2 Prozent (Stand Ende Juni 2018). Für alle Ausländer (auch die aus EU-Ländern), liegt sie bei 49,3 Prozent, für Deutsche bei 68,3 Prozent. Das zeige, dass die Arbeitsmarktintegration der Flüchtlinge "einen langen Atem" brauche, wie es das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) formuliert. Laut einer älteren Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) von 2015 dauert es rund fünf Jahre, bis die Beschäftigtenquote von Flüchtlingen bei 50 Prozent liegt und sechs Jahre bis zur 60-Prozent-Schwelle. Nach 14 Jahren erreicht die Quote dann ihren Höchststand von 75 Prozent. Andere Zuwanderer erreichen diese Quoten etwa doppelt so schnell.

Sprachbarrieren sind sicherlich die Hauptursache für die Verzögerung: Viele Geflüchtete müssen nicht nur Deutsch lernen, sondern auch die lateinische Schrift. Die nämlich beherrscht nur ein Drittel der Geflohenen, hat eine Befragung des BAMF ergeben. Denn viele Flüchtlinge kommen aus Ländern mit arabischen oder paschtunischen Schriftzeichen. 15 Prozent – vor allem Frauen – können gar nicht lesen oder schreiben. Immerhin sagt jeder Dritte, dass er nach einem Integrationskurs über gute bis sehr gute Sprach- und Schriftkenntnisse verfüge.

Vor allem aus dem Iran kommen viele Bestausgebildete


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18800 Flüchtlinge haben eine Universität besucht

Es stimmt nicht, dass viele Geflüchtete nur wenig gebildet sind, zumindest nicht, wenn man die volljährigen Asylantragssteller betrachtet. Die Mehrheit der Geflohenen ist jünger als 25 Jahre alt. 45 Prozent von ihnen sind sogar minderjährig. In dieser Gruppe haben viele wegen der mehrjährigen Flucht keine abgeschlossene Schulausbildung vorzuweisen. Aber: Von den Volljährigen, die einen Asylantrag stellten, haben 34 Prozent eine Mittelschule besucht, 20 Prozent ein Gymnasium und 17 Prozent haben einen Hochschulabschluss, ermittelte das BAMF Ende 2017. Das sind insgesamt 71 Prozent Qualifizierte. Lediglich 12 Prozent haben keine formelle Schulbildung und 20 Prozent nur eine Grundschule besucht.

Vor allem aus dem Iran kommen viele Bestausgebildete, hier weisen 80 Prozent als höchsten Schulabschluss Abitur oder Uniabschluss vor. Von den Syrern sind es 40 Prozent und von den Irakern und Pakistani 30 Prozent.

Der Nachweis einer beruflichen Ausbildung ist ungleich schwerer, weil es in anderen Staaten keine geregelte duale Ausbildung gibt wie in Deutschland. Fragt man die Flüchtlinge, als was sie in ihrem Heimatland zuletzt gearbeitet haben, dann waren 8 Prozent Handwerker, gut 6 Prozent Dienstleistungsmitarbeiter in Unternehmen und jeweils rund 5 Prozent Landwirte oder Hotel-, Gaststätten- oder Touristikmitarbeiter. Je gut 4 Prozent kommen vom Bau, aus dem Handel und aus technischen Berufen. Je 3 Prozent waren zuvor Finanzmitarbeiter oder Lehrer. Und insgesamt zwei Prozent sind Mediziner, Wissenschaftler oder Führungskräfte. Aus dem Iran kommen viele Ingenieure, aus Nigeria viele Handwerker.

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23300 Flüchtlinge arbeiten in der Zeitarbeitsbranche

Die beiden Branchen, in denen Flüchtlinge am häufigsten unterkommen, sind die Zeitarbeit – hier findet fast jeder Dritte Vollzeitbeschäftigte eine Anstellung – und das Gastgewerbe. Das meldete die Bundesagentur für Arbeit Ende Juni 2018. Auch das Baugewerbe, Wach- und Reinigungsdienste sowie der Handel stellten zuletzt viele Flüchtlinge ein.

Jeder sechste Syrer und Iraker arbeitet bei einer Zeitarbeitsfirma, aber nur jeder fünfzigste Deutsche. Im Gastgewerbe finden 17 Prozent der Syrer und Iraker Beschäftigung, aber nur 3 Prozent der Deutschen arbeiten hier. In beiden Branchen sei die Fluktuation hoch, was die Aufnahme neuer Arbeitskräfte erleichtere. Zudem erforderten viele Jobs als Küchen-, Reinigungs- oder Montagepersonal keine guten Sprachkenntnisse, sagen Arbeitsmarktforscher des IAB.

Die Zeitarbeit biete zudem den Flüchtlingen gute Möglichkeiten, Erfahrungen im hiesigen Arbeitsmarkt zu sammeln, sagen Forscher des IW. Diese könnten für den späteren Berufseinstieg in der jeweiligen Branche nützlich sein. Damit das gelingt, sind jedoch meist wieder ausreichende Sprachkenntnisse und eine Weiterqualifikation wichtig. Zurzeit arbeiten die meisten Flüchtlinge als einfache Helfer, selbst wenn sie besser ausgebildet sind.

Vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen haben Flüchtlinge gute Aussichten auf Beschäftigung. Rund die Hälfte der Syrer, Afghanen und Iraker ist in Betrieben zwischen 10 und 250 Mitarbeitern untergekommen. In Kleinstbetrieben bis zehn Beschäftigten arbeiten rund 22 Prozent von ihnen, ermittelte das IW. Rund 20 Prozent machen sich selbständig oder beginnen eine Ausbildung.