Marc Arendt, der Chef des Ringhotels Dresden © Doreen Reinhard für ZEIT ONLINE

Anfangs hat Arendt häufig über die Arbeitsagentur Mitarbeiter gesucht, aber dort findet er kaum geeignetes Personal. In seinem Hotel gibt es inzwischen ein dezentes Sparprogramm. Keine feinen Decken mehr auf den Tischen, sondern nur noch schmale Läufer, das spart Reinigungskosten. Das Restaurant hat kürzere Öffnungszeiten, der Chef will sein Personal schonen.

Dass der Betrieb immer noch weiterläuft, hat vor allem einen Grund: Im Ringhotel arbeiten immer mehr Migranten, etwa ein Viertel der Belegschaft. Alle eint, dass sie aus prekären Verhältnissen nach Deutschland gekommen sind und hier dem Hotelier Arendt in seiner eigenen Notlage nutzen. Bald wird ein Flüchtling aus Syrien seine Lehre bei ihm beginnen.

Das Hotel am Dresdner Stadtrand ist ein winziges Rädchen in einem globalen Kreislauf. Die Rechnung des Chefs sieht so aus: "Viele Deutschen möchten es sich in einem Hotel gut gehen lassen, aber solche Jobs nicht mehr machen. Migranten wollen hier arbeiten und nehmen keinem Deutschen etwas weg." Eine internationale Branche sei die Hotellerie schon immer gewesen, sagt Arendt, er kenne es nicht anders von seinen Anfängen in Westdeutschland. "Hier im Osten gibt es viel weniger Erfahrung mit Migranten. Manche Mitarbeiter haben eine Weile gebraucht, sich aneinander zu gewöhnen, aber jetzt funktioniert es gut."

Das Ringhotel ist keine Ausnahme. Mehr als dreißig Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der deutschen Gastronomie und Hotellerie sind Ausländer, so viele wie in keinem anderen Wirtschaftszweig, meldet der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Dieser Anteil steigt kontinuierlich, auch durch die Einwanderung der vergangenen Jahre. "Das Gastgewerbe gehört zu den Branchen, die die meisten Geflüchteten, die seit 2015 gekommen sind, eingestellt hat", sagt die Dehoga-Bundesgeschäftsführerin Sandra Warden.

In der Gastronomie treffen gerade verschiedene Entwicklungen aufeinander. Einerseits gibt es eine gute Konjunktur. "Die Umsatzentwicklung ist super, die Ertragsentwicklung allerdings nicht, weil viele Kosten steigen, etwa für Lebensmittel und Energie." Hinzu kommt das Personalproblem. Inzwischen legen viele Gastwirte zusätzliche Ruhetage ein. Einige geben auf, weil sie keine Mitarbeiter finden, vor allem in ländlichen Regionen. Immer mehr Betriebe füllen ihre Personallücken mit Migrantinnen und Migranten. Viele machen Ausbildungen, der größere Teil beginnt jedoch in Helferjobs, bedingt durch geringe Sprachkenntnisse und fehlende Qualifikationen, das sind zumindest die Erfahrungen des Dehoga.

Das Feedback ist überwiegend positiv. "Die Integration durch die Arbeit funktioniert gut", sagt Warden. Nur wenige Betriebe berichten von Spannungen. "Es gibt immer mal kulturelle Unterschiede, die zu Konflikten führen. Das betrifft zum Beispiel den Umgang mit Schweinefleisch und Alkohol, die Zusammenarbeit von Männern und Frauen." Ein anderes Problem sei die Bürokratie, das teils aufwendige Prozedere, um die komplexen Regeln zu überblicken, für Asylbewerber mit verschiedenen Bleibeperspektiven, für Migranten mit unterschiedlichen Arbeitsgenehmigungen. Immer wieder erleben Betriebe, dass Zuwanderer abgeschoben werden, wenn sie mitten im Berufsleben stecken.

Auch Marc Arendt hat in den vergangenen Jahren viele Gesetze gelesen. Für ihn, den Unternehmer, sind die Arbeitskräfte aus EU-Nachbarländern am unbürokratischsten. Vor allem Tschechen und Polen übernehmen häufig die Zimmerreinigung. Allerdings wechseln inzwischen auch viele Osteuropäer in Branchen mit besseren Bedingungen. Für die Reinigungsjobs hat der Hotelchef schon etliche Modelle probiert. Als er selbst keine Mitarbeiter mehr fand, engagierte er externe Dienstleister. Personalagenturen, mit denen er Pauschalen vereinbarte für eine bestimmte Anzahl sauberer Zimmer. "Das hat eine Weile funktioniert, aber dadurch haben wir das Problem natürlich nur von uns weggeschoben."