Unternehmen aus der Europäischen Union importieren im Vergleich zum Vorjahr ein Vielfaches an Sojabohnen und Sojamehl aus den USA. Wie die EU-Kommission mitteilte, vervierfachte sich der Import von Sojabohnen in den vergangenen fünf Wochen: von 93.850 auf 359.305 Tonnen. Die Menge des aus den USA importierten Sojamehls stieg sogar um das rund 33-Fache von 5.373 auf 184.663 Tonnen. Damit stammten im Juli 37 Prozent der Sojabohnenimporte und 13 Prozent der Sojamehlimporte aus den USA; vor einem Jahr seien es lediglich neun beziehungsweise 0,3 Prozent gewesen.

Die EU-Kommission begründet den verstärkten Sojaimport vor allem mit der Preisentwicklung. Der Durchschnittspreis für eine Tonne Sojabohnen aus den USA lag zuletzt bei 332 Euro – und damit unter dem Preis für Sojabohnen aus Brasilien, dem wichtigsten Sojalieferanten für die EU. Dort kostete die Tonne 358 Euro. Eine ähnliche Entwicklung gab es bei Sojamehl.

Politische Beobachter sehen im verstärkten Ankauf von US-Soja einen Faktor für eine Entspannung des Handelskonflikts mit den USA. US-Präsident Donald Trump hatte sich bei einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bereit erklärt, den Handelskonflikt mit der EU beilegen zu wollen. Amerikanische Landwirte hatten wegen den von China verhängten Zusatzzöllen starke Umsatzeinbußen befürchtet. Die EU hatte zudem deutlich gemacht, dass auch sie Zusatzzölle auf US-Soja verhängen würde, wenn Trump Sonderzölle auf europäische Autoimporte erheben sollte.

Soja wird in der EU vor allem als Futtermittel in der Landwirtschaft benötigt, etwa für Milchkühe, Schweine, Geflügel, aber auch für norwegische Lachse. Europäische Landwirte produzieren wegen der vergleichsweise kühlen Witterung nur relativ geringe Mengen Soja, den restlichen Bedarf von jährlich rund 30 Millionen Tonnen importieren sie. Dieses Jahr dürfte die Importmenge sogar noch weiter steigen: Wegen der anhaltenden Dürre in Deutschland und den damit einhergehenden Ernteausfällen setzt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auf importiertes Soja. Der Bauernverband hatte zuletzt die Ernteerwartung deutlich nach unten korrigiert. Statt zuletzt geschätzter 41 Millionen Tonnen Getreide werde nur noch mit einer Erntemenge von rund 36 Millionen Tonnen gerechnet, teilte der Bauernverband am Mittwoch mit.