Zumindest die Börsianer sind dezent optimistisch. Es ist nun schon mehr als zwei Monate her, dass die Regierungen Chinas und der USA zuletzt miteinander über den Handelskrieg gesprochen haben – darum freuen sich die Wertpapierhändler in Shanghai, Peking und Hongkong bereits darüber, dass jetzt wieder verhandelt wird: Die Aktienmärkte in Ostasien schlossen am Wochenanfang mit Kursgewinnen. Doch ob sich der von US-Präsident Donald Trump begonnene Zollstreit zwischen den beiden Ländern kurzfristig entschärft, erscheint im Moment zweifelhaft.

Das Treffen am Mittwoch in Washington ist politisch niederschwellig angesetzt. Die neunköpfige Delegation aus China wird angeführt von Vizehandelsminister Wang Shouwen, der auf David Malpass trifft, einen Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium. Mehr als ein Ausloten, ob weitere Treffen sinnvoll sind, wird bei dem Gespräch nicht herauskommen. Denn Wang auf der einen Seite ist von niedrigem Rang, und bei den Amerikanern stehen sich zwei Lager gegenüber.

Das Finanzministerium unter Steven Mnuchin ist generell an einer schnelleren Lösung interessiert und hat eine Liste mit Forderungen, die für die chinesische Seite nicht gänzlich unmöglich sind. Dazu gehören Maßnahmen zur Senkung des Handelsdefizits wie der Abbau von Stahlsubventionen oder die Zusage, mehr Produkte wie Soja aus den USA zu kaufen. Die Frage der Importzölle dominiert zurzeit aber der US-Handelsbeauftragte Robert E. Lighthizer, ein Hardliner, der auf eine viel protektionistischere Handelspolitik gegenüber China drängt und damit zurzeit Trumps Segen hat.

Weitere Importzölle sollen folgen

Am Donnerstag schon will Lighthizer weitere Importzölle in Höhe von 25 Prozent auf Produkte aus China ankündigen, darunter auf Chemikalien und Metalle. Zusammen mit den schon im Juli erhobenen US-Importzöllen auf chinesische Importe im Wert von 34 Milliarden Dollar haben die avisierten Waren dann einen Umfang von 50 Milliarden Dollar. Im September wollen die USA über weitere Importzölle auf chinesische Waren im Wert von rund 200 Milliarden Dollar entscheiden. Insgesamt exportiert China Waren im Wert von über 500 Milliarden Dollar im Jahr in die USA.

Auch die Führung in Peking will von Donnerstag an als Vergeltung neue Zölle auf US-Importe im Umfang von 16 Milliarden Dollar erheben, darunter auf Diesel und Medizintechnik. Die Möglichkeiten Chinas für erhöhte Einfuhrabgaben gegenüber den USA sind allerdings begrenzt, da China viel weniger aus den USA importiert als umgekehrt. Donald Trump stört sich schon seit Jahren am hohen Handelsbilanzdefizit der Amerikaner gegenüber China und auch gegenüber der EU.

Doch die Importzölle der USA zielen auf viel mehr als das Defizit. Es geht um Vorwürfe, wonach Chinas Wirtschaftsfunktionäre ausländische Firmen als Preis für den Zugang zum chinesischen Markt zur Übergabe von Technologie zwingen. Zudem erschwert Chinas Führung ausländischen Unternehmen den Zutritt zu bestimmten Märkten oder verhindert dies in Bereichen wie Banken, Hightech, Energie und Digitalwirtschaft gleich ganz. Auch wird den Chinesen vorgeworfen, Hackerangriffe auf Computernetzwerke ausländischer Unternehmen zu verüben, um an Betriebsgeheimnisse zu kommen.