Nach Ansicht von Entwicklungsminister Gerd Müller sollte die Europäische Union ihre Märkte für sämtliche Güter aus Afrika öffnen. Besonders Agrarprodukte sollten zoll- und quotenfrei in die EU eingeführt werden können, sagte der CSU-Politiker der Welt. Derzeit sei der europäische Markt für Produkte aus Afrika faktisch gesperrt, gleichzeitig stiegen die europäischen Exporte nach Afrika.

Durch eine Öffnung des Markts könnten Jobs für Millionen arbeitslose junge Menschen in Afrika geschaffen werden. Dies dürfte nach Einschätzung von Müller auch die Migration nach Europa bremsen. "Ich bin mir sicher: Afrikas Jugend will und wird sich nicht auf die Flucht begeben und in der Heimat bleiben, wenn es Arbeit und Zukunftsperspektiven gibt."

Europa könne sich trotzdem nicht völlig gegen Migration aus Afrika abschotten, sagte Müller. Er forderte ein EU-Afrika-Abkommen, durch das Menschen aus afrikanischen Ländern auch legale Möglichkeiten bekämen, um in Europa zu arbeiten. Von den afrikanischen Ländern könne die EU im Gegenzug verlangen, abgelehnte Asylbewerber ohne Duldung zurückzunehmen.

Mehr Engagement aus Deutschland

In den kommenden zehn Jahren werde in afrikanischen Städten mehr gebaut werden, als dies in den vergangenen 100 Jahren in Europa der Fall gewesen sei. Derzeit seien jedoch vor allem chinesische, türkische und russische Unternehmen auf dem Kontinent aktiv. Um gerade für mittelständische Unternehmen sichere Rahmenbedingungen zu schaffen, will Müller gemeinsam mit dem Wirtschafts- und Finanzminister ein "Entwicklungsinvestitionsgesetz" auf den Weg bringen.

Gerade von der deutschen Wirtschaft forderte der Entwicklungsminister mehr Engagement in Afrika. Das Label "made in Germany" habe in Afrika einen guten Ruf, sagte Müller. Bislang engagierten sich aber nur 1.000 von 3,5 Millionen deutschen Unternehmen in Afrika. Dabei hätten 42 von 54 afrikanischen Ländern im vergangenen Jahr ein höheres Wirtschaftswachstum als Deutschland gehabt. "Das zeigt, welche enorme Dynamik Afrika entwickeln kann", sagte Müller.