Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat eine Ernteprognose veröffentlicht, die noch einmal deutlich unter der bisherigen liegt. 36 Millionen Tonnen Getreide werden demnach voraussichtlich in diesem Jahr geerntet. Bisher hatte der DBV mit 41 Millionen Tonnen gerechnet. Die neue Schätzung bezieht nun die zweite Erntemeldung der Landwirte an den Verband ein. DBV-Vizegeneralsekretär Udo Hemmerling hatte schon vorher von der "schlechtesten Ernte dieses Jahrhunderts" gesprochen.

Der Bauernverband forderte daher erneut staatliche Hilfen für Landwirte. "Nach den uns vorliegenden Meldungen aus den Landesbauernverbänden sind die Voraussetzungen für Finanzhilfen durch die Länder in den besonders betroffenen Regionen klar erfüllt", sagte der Präsident des Verbandes, Joachim Rukwied. Auch der Bund solle sich finanziell beteiligen.

Die niedrige Ernte könnte dazu führen, dass Bauern nicht genug Futter für ihre Tiere haben. "Die Maisbestände bilden wegen der anhaltenden Trockenheit keine Kolben aus", erklärte Rukwied. "Das wird die Körnermaisernte erheblich schmälern und hat auch bei der Verwendung als Silomais Auswirkungen auf die Qualität des Futters."

Die wichtigste in Deutschland angebaute Getreideart ist laut Bauernverband Winterweizen mit einer Anbaufläche von 2,96 Millionen Hektar. Die Weizenernte sei in vielen Regionen fast abgeschlossen, liege aber um 20 Prozent unter der des Vorjahres. 2017 hatte es für die Landwirtschaft eher zu viel geregnet. Der Durchschnittsertrag der Jahre 2013 bis 2017 werde dieses Jahr sogar um 25 Prozent verfehlt. Bei Winterraps und Winterroggen können deutsche Bauern im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren sogar rund ein Drittel weniger ernten.

Im Juli nur halb so viel Regen wie sonst

Mit einer Durchschnittstemperatur von 20,2 Grad Celsius war der Juli außergewöhnlich heiß. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen waren nur die Juli-Monate in den Jahren 2010, 2006, 1994 und 1983 wärmer als der vergangene, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Schlimmer als die Hitze ist für die Landwirte jedoch die Trockenheit: Im Juli kam in Deutschland mit 40 Litern pro Quadratmeter nur etwa halb so viel Wasser vom Himmel wie sonst in diesem Monat. Die Unterschiede sind je nach Region riesig: In den bayerischen Alpen etwa regnete es 150 Liter pro Quadratmeter.