Die neue italienische Regierung hat die Arbeitsmarktreformen der Vorgängerregierung teilweise wieder rückgängig gemacht. Nach dem Abgeordnetenhaus stimmte auch der Senat für ein Gesetzespaket, das die Befristung von Arbeitsverträgen einschränkt, Lockerungen beim Kündigungsschutz zurückzieht und Abgaben für Unternehmen vorsieht, die Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Es ist das erste große Projekt der Koalitionsregierung aus Links- und Rechtspopulisten.

Befristete Arbeitsverhältnisse sollen künftig höchstens zwei Jahre dauern können. Bisher waren es drei Jahre. Sie dürfen außerdem nur noch vier statt fünf Mal verlängert werden. Unternehmen, die staatliche Zuschüsse erhalten haben, müssen diese zurückerstatten, wenn sie ihre Produktion innerhalb von fünf Jahren ins Ausland verlagern. Erfolgt die Verlagerung in ein Land außerhalb der Europäischen Union, muss das Zwei- bis Vierfache der Zuschüsse zurückgezahlt werden.

Die Sicherung von Arbeitsplätzen in Italien war eines der wichtigsten Versprechen von Arbeitsminister Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung, die zusammen mit der rechten Lega die Regierung stellt. Zu dem verabschiedeten Paket gehört auch ein Verbot der Werbung für Glücksspiele.

Unternehmerverbände kritisierten die Einschränkungen bei Zeitverträgen. Bei den Wählern erfahren sie Umfragen zufolge Zustimmung. "Das ist das erste Gesetz seit Jahrzehnten, das nicht von Lobbyisten und Interessengruppen diktiert wurde", sagte Di Maio. "Letztlich hat das einfache Volk einen Punkt gewonnen."

Italien hat in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, den Arbeitsmarkt zu liberalisieren, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Viele ältere Arbeitnehmer haben unbefristete Arbeitsverträge mit einem starken Kündigungsschutz, während die meisten jungen Arbeitnehmer nur noch Zeitverträge bekommen oder leicht gekündigt werden können. In den zwölf Monaten bis Juni wurden rund 394.000 befristete Jobs geschaffen. Die Zahl unbefristeter Jobs ging um 83.000 zurück.