Die fünf Anrainerstaaten des Kaspischen Meers haben sich im Grundsatz auf eine Aufteilung des rohstoffreichen Sees geeinigt. Damit machten sie den Weg für eine stärkere Förderung von Erdöl und Gas in der Region frei. Der iranische Präsident Hassan Ruhani schränkte allerdings ein, es seien noch weitere Absprachen nötig, um den Meeresgrund exakt aufzuteilen. Das Kaspische Meer ist das größte Binnengewässer der Welt.

Wie der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew erläuterte, vereinbarten die Staaten die Einrichtung einer 15-Meilen-Zone als Abgrenzung der jeweiligen Hoheitsgebiete. Zehn Meilen über diese Hoheitsgewässer hinaus hätten die jeweiligen Anrainerstaaten exklusive Fischereirechte. Zudem sei in der Konvention festgehalten, dass nur Anrainerstaaten militärisch im Kaspischen Meer präsent sein dürfen.

Russland, Iran, Kasachstan, Turkmenistan und Aserbaidschan streiten seit fast drei Jahrzehnten darüber, wie der See aufgeteilt werden soll. Nach dem Zerfall der Sowjetunion hatte der Iran vorgeschlagen, das Kaspische Meer entweder in fünf gleich große Teile aufzuspalten oder seine gesamten Ressourcen gemeinsam zu entwickeln. Keiner der vier Ex-Sowjetstaaten war jedoch auf diese Vorschläge eingegangen.

Viele Projekte stagnierten

Der Streit hat zahlreiche Energieprojekte belastet. Dazu gehört unter anderem eine Pipeline durch das Kaspische Meer, über die in Konkurrenz zu Russland Erdgas von Turkmenistan nach Aserbaidschan und weiter nach Europa gebracht werden soll. Russland machte gegen das Projekt Umweltbedenken geltend. Ob das Projekt nach der nun erzielten Einigung zustande kommt, ist noch unklar. Ebenfalls umstritten sind die Förderrechte an mehreren Öl- und Gasvorkommen.

Experte Ashley Sherman von der Beratungsfirma Wood Mackenzie bezeichnete die Unterzeichnung der Vereinbarung als Meilenstein für die Region. Nun könnten ins Stocken geratene Projekte wieder aufgegriffen werden. Allerdings sei nicht damit zu rechnen, dass dadurch die Produktion rasch steige, weil die umstrittenen Felder deutlich kleiner seien als die bereits erschlossenen Riesenfördergebiete.