Resilienz! An dieses Wort werden wir uns wohl gewöhnen müssen. Resiliente Menschen können besser mit Krisen umgehen, resiliente Unternehmen oder Länder auch – weil sie sich frühzeitig wappnen und nicht völlig aus der Bahn geworfen werden. Und genau das wird, so zeigt es dieser Sommer, in dieser Welt in großem Stil nötig werden: Eine bessere Vorsorge gegen Wetterextreme.

Wer das bei 35 Grad liest (bei den Temperaturen wurde die Kolumne geschrieben), könnte es für eine Binse halten. Tatsächlich ist die Idee nicht neu. Schon in der Bibel wird die Geschichte von Joseph erzählt, der nach einem Traum dem Pharao rät, in den sieben ertragreichen Jahren einen Teil der Ernte zu sparen. Um dann genug für die sieben schlechten Jahre zu haben.

Die derzeitige Dürre zeigt leider, dass Politik, Teile der Wirtschaft und vor allem die Landwirtschaft die Warnungen nicht wirklich ernst genommen haben – obwohl es davon genug gab. Dass die Sommer heißer werden, sagen Klimaforscher, die modernen Nachfolger von Joseph, ja seit Langem. Die meisten von ihnen haben prognostiziert, dass wir mit extremen Wetterlagen rechnen müssen und frühzeitig etwas gegen den Klimawandel tun müssen.

Warum Letzteres nicht passiert ist, liegt auf der Hand. Zwar glauben nur ein paar versprengte Wirrköpfe immer noch, dass sich das Klima gar nicht wandelt, nur das Wetter ein bisschen verrücktspielt, und wir deswegen munter weiter Klimagase in die Atmosphäre entlassen dürfen. Die Mehrheit der Menschen und auch der verantwortlichen Politiker sieht das Problem aber – will jedoch die eigene Bequemlichkeit nicht aufgeben. Viele Leute wollen weiter dicke Autos fahren, die viele Abgase in die Luft pusten: Gerade explodiert die Zahl der Neuzulassungen. Andere wollen billig fliegen: Die Zahl der Passagiere war nie so hoch. Oder billiges Rindfleisch essen, am besten jeden Tag. Und das, obwohl so ein Diätplan nur durch eine Landwirtschaft bedient werden kann, die den Klimawandel beschleunigt. Durch das Düngen und die viel Gülle entstehen zu viele Klimagase.

All das führt dann in der Summe zu einem fatalen Druck auf die Politiker: Die trauen sich bisher weder, endlich den Grund für die Hitze, den Klimawandel, ernsthaft zu bekämpfen. Noch planen sie den klugen Umgang mit dessen Folgen – weil das ja einem Eingeständnis der eigenen Untätigkeit gleichkäme.

Gut möglich, dass dieser Sommer in manchen Köpfen etwas verändert. Konkrete Vorschläge haben aber bisher nur die Grünen: Sie haben vor ein paar Tagen ein Anpassungsprogramm vorgestellt, mit allerlei klugen Ideen. Berichtet wurde leider oft nur über die horrende Summe von zwei Milliarden Euro, die die Partei für die Beseitigung der schlimmsten Klimaschäden veranschlagt hat, und dann noch mit dem Tenor: Die übertreiben mal wieder, die Grünen, und wollen Geld rauswerfen.