Die Türkei hat weitere Zölle auf bestimmte Einfuhren aus den USA erhoben. Wie die Regierung in Ankara im offiziellen Amtsblatt, der Resmî Gazete, bekannt gab, sind davon 22 Produkte betroffen, darunter Fahrzeuge, alkoholische Getränke, Kosmetika, Tabak, Reis, Kohle und Papier. Demnach werden die Zölle auf Autos um 120 Prozent, die bei alkoholischen Getränken um 140 und für Tabak um 60 Prozent angehoben. Das entsprechende Dekret wurde von Präsident Recep Tayyip Erdoğan unterzeichnet. 

Sein Stellvertreter, Vizepräsident Fuat Oktay, machte auf Twitter deutlich, dass es sich bei dieser Maßnahme um Vergeltung für die wirtschaftlichen Angriffe der USA auf die Türkei handelt. Sein Land, so twitterte er Oktay, habe "dem Prinzip der Gegenseitigkeit" folgend auf die "absichtlichen Angriffe der US-Regierung" reagiert.

Ausgangspunkt des Streits ist die Festnahme des US-Pastors Andrew Brunson 2016 in Izmir, dem die türkische Regierung Verbindungen zu dem in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen nachsagt. Gülen steckt nach Darstellung der Regierung in Ankara hinter dem Putschversuch vor zwei Jahren. Der evangelikale US-Pastor sitzt wegen Spionage- und Terrorverdachts in der Türkei derzeit in Hausarrest. Jüngst wurde auch ein erneuter Antrag auf seine Entlassung und gegen seine Ausreisesperre abgewiesen.

Türkei - Erdoğan ruft zu iPhone-Boykott auf Recep Tayyip Erdoğan hat nach den Sanktionen gegen sein Land einen Boykott US-amerikanischer Elektrogeräte angekündigt. Die Türkei werde künftig auf eigene Hersteller setzen. © Foto: Murat Kula/Presidential Palace/Handout/Reuters

Um den Druck in dem Fall zu erhöhen und die türkische Regierung zum Einlenken zu bewegen, hatte US-Präsident Donald Trump die Einfuhrzölle von Stahl und Aluminium aus der Türkei verdoppelt. Dies führte zu einem Wertverlust der türkischen Landeswährung Lira, die wegen der Wirtschaftspolitik der Erdoğan-Regierung ohnehin geschwächt war.

Noch vor der jetzigen Erhöhung mancher Importzölle hatte der türkische Staatschef den Handelsstreit mit den USA angeheizt, als er am Dienstag einen Boykott von US-Elektronikartikeln ankündigte. "Wenn die ihre iPhones haben, gibt es auf der anderen Seite Samsung, und wir haben unser eigenes Vestel", sagte er mit Blick auf den südkoreanischen Apple-Rivalen und den türkischen Elektronikkonzern. "Wir werden einen Boykott über elektronische Produkte aus den USA verhängen", so Erdoğan, der bereits Ende der vergangenen Woche von einem "Wirtschaftskrieg" gesprochen hatte. Die USA drohten ihrerseits mit weiteren wirtschaftlichen Maßnahmen, sollte die Türkei nicht nachgeben und den US-Pastor länger festhalten.