US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, dass er die Zölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei verdoppeln lässt. Eine entsprechende Anordnung habe er soeben getroffen, twitterte Trump. Die Zölle auf Aluminium würden auf 20 Prozent ansteigen, bei Stahl auf 50 Prozent. Wann die Zölle in Kraft treten sollen, geht aus der Ankündigung nicht hervor.

Ein Sprecher des türkischen Außenministeriums warf Trump vor, die Beziehungen als Verbündete zu gefährden. "Die USA sollten wissen, dass sie mit solchen Sanktionen und Druck keine Ergebnisse erzielen werden." Die Türkei stehe immer auf der Seite, die "Probleme durch Diplomatie, Dialog, guten Willen und gegenseitiges Verständnis löst". Auf alle Schritten gegen die Türkei werde eine "notwendige Antwort" folgen.

Die türkische Handelsministerin Ruhsar Pekcan sagte, die Türkei sei "zutiefst enttäuscht" über die Entscheidung. Sie rief Trump dazu auf, zu Verhandlungen zurückzukehren. In einer separaten Mitteilung des Handelsministeriums hieß es, die Zölle verstießen gegen Regeln der Welthandelsorganisation (WTO). Das Ministerium werde die Rechte türkischer Produzenten bei der WTO und anderen internationalen Plattformen verteidigen.

Streit um US-Pastor Andrew Brunson

Der US-Präsident schrieb außerdem: "Unsere Beziehungen mit der Türkei sind im Moment nicht gut." Er bezieht sich damit offenbar auf den diplomatischen Streit zwischen den USA und der Türkei wegen der Festnahme des US-Geistlichen Andrew Brunson durch die türkischen Behörden. Sie werfen Brunson vor, den Putschversuch im Sommer 2016 unterstützt zu haben.

Nachdem der Pastor lange Zeit in Haft saß, ohne dass die diplomatischen Verhandlungen über seinen Fall vorangekommen waren, mischte sich Trump ein – und verhängte Sanktionen gegen den Nato-Partner Türkei. Diese zielten auf den türkischen Innenminister Süleyman Soylu sowie Justizminister Abdülhamit Gül. Vermögen der Minister in den USA sollten eingefroren werden, außerdem dürfen US-Bürger keine Geschäfte mit ihnen machen.

Die Türkei hat vor einigen Tagen reagiert und ebenfalls Sanktionen gegen zwei US-Minister verhängt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan warnte Anfang August davor, dass der Konflikt weiter eskalieren könne. Die Türkei wolle nicht Teil eines "Spiels" mit Verlierern auf beiden Seiten sein, sagte der Präsident.

Am Freitag versuchte Erdoğan, seine Anhängerinnen und Anhänger zu beruhigen. Er erklärte den Verfall der Lira mit einem "Wirtschaftskrieg", in dem sich sein Land befinde. Am Nachmittag rief er alle Türkinnen und Türken auf, zur Stützung der Währung Devisen gegen Lira zu tauschen. "Tauscht die Euro, tauscht die Dollar und das Gold, das ihr unter euren Kopfkissen habt, in unseren Banken in Lira. Das ist ein nationaler Kampf", sagte Erdoğan. Die regierungstreue türkische Zeitung Daily Sabah meldete, dass der türkische Präsident wegen der neuen Zölle mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin telefoniert habe. Währenddessen fiel der Lirakurs weiter.

Regierung will Vertrauen in die Lira verbessern

Auch nach dem Tweet des US-Präsidenten am Freitagnachmittag fiel der Kurs der Lira. Etwa zeitgleich hielt der türkische Finanzminister Berat Albayrak eine Rede, in der er der Notenbank des Landes die volle Unabhängigkeit zusicherte. Dies sei entscheidend für die Wirtschaft, sagte Albayrak, der Erdoğans Schwiegersohn ist.

In einer fast einstündigen Rede sagte Albayrak weiter, die Türkei sei dazu übergegangen, sich zur Geldpolitik und zur Zentralbank nur sehr vorsichtig zu äußern. Die Regierung werde noch stärker auf Haushaltsdisziplin achten und Strukturreformen angehen. Die türkische Regierung unterstütze eine "unabhängige Geldpolitik". Man wolle das Vertrauen in die Lira verbessern und die Inflation effektiv bekämpfen. Wie genau die Regierung dies erreichen will, ging aus der Rede Albayraks nicht hervor.

Welthandel - Warum gibt es Handelskonflikte? Der Handelsstreit der weltweit größten Volkswirtschaften hat begonnen: Die USA erheben Importzölle auf Waren aus China. Das Video erklärt Auslöser und mögliche Folgen. © Foto: Liza Arbeiter