Das Stück Land, das den britischen Unternehmer David Archer regelmäßig zum Schwärmen bringt, präsentiert sich an diesem Nachmittag wie eine Postkartenidylle. Im hohen Norden Portugals, fast an der Grenze zu Spanien, grasen Rinder im Schatten der Pinienhaine, sie verströmen einen süßlich-würzigen Duft. Es ist Sommer, die Erinnerung an träges Nichtstun käme in den Sinn, wären da nicht die meterhohen Perforationsgeräte, die Löcher in den steinigen Boden rammen. 

"Ganz schön heiß", sagt Abelino Alonso und verdreht die Augen zum Himmel. Das Thermometer zeigt fast 40 Grad im Schatten, morgen soll es noch heißer werden. Alonso ist nicht zum Urlaub hier, sondern einer der Männer, die mit Schutzanzügen und Staubmasken ausgestattet David Archer das Material für dessen Träume liefern: Lithium. In keinem anderen Land Europas gibt es so viel von dem Alkalimetall, ohne das Notebooks, Tablets und Smartphones nicht laufen würden, und das in rauen Mengen für die Batterien von E-Autos gebraucht wird.

Archer, Chef des britischen Bergbauunternehmens Savannah Resources, will von der Nachfrage profitieren. Er hat sich wie fast 40 andere Unternehmer um eine Lizenz bei der Regierung in Lissabon beworben, um das Potenzial zu prüfen, und lässt dafür Männer wie Abelino Alonso Löcher in den portugiesischen Boden bohren. Zwölf Tage ohne Pause, dann haben sie ein Wochenende frei, ehe es weitergeht.

Bedeutendstes Vorkommen in Europa

Der rapide gestiegene Bedarf an Akkumulatoren, also wiederaufladbaren Batterien, hat den Preis für Lithiumkarbonat in den vergangenen drei Jahren verdreifacht. Eine Tonne des "weißen Goldes", wie man es schon nennt, kostet derzeit rund 12.500 Dollar.

Wenn von Lithium-Vorkommen die Rede ist, richtete sich der Blick bisher vor allem auf das südamerikanische Länderdreieck Chile-Bolivien-Argentinien. Erst vor einigen Tagen wurde wieder eine Lagerstätte mit womöglich 2,5 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat in Peru entdeckt. Der Rohstoff wird in Südamerika aus Salzseen gewonnen. Das ist bisher wesentlich günstiger als in Australien, wo zwar ebenfalls große Vorkommen gesichert sind; das Lithium dort ist aber als sogenanntes Spodumen in Hartgestein gebunden. Ähnlich ist es in neun Regionen im Norden und in der Mitte Portugals. Der Lithium-Boom hat die Bedingungen jedoch verändert. Nun erscheint es auch lohnend, die Erde nach dem Stoff aufzubohren.

"Mina do Barroso hat sich extrem schnell entwickelt, seit wir am 24. Juli 2017 die erste Bohrung setzten", sagt Savannah-Chef Archer über ein knapp 530 Hektar großes Areal im Kreis Boticas im nördlichen Grenzgebiet zu Spanien. "Wir hatten damals keine konkrete Schätzung über die Mineralienkonzentration. Heute sprechen wir von einem der bedeutendsten Vorkommen in Europa, das von strategischer Bedeutung für die europäische Industrie ist." Angesichts der Wachstumsperspektiven für die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge sowie für die Speicherung von Elektrizität sei der "Zeitpunkt perfekt, um ein Projekt von der Größe und an dem Standort zu entwickeln".

Auf rund 100 Millionen Euro schätzt Archer die Investitionskosten, die er in weniger als zwei Jahren wieder hereinholen will. Die Probebohrungen haben seine Experten zu optimistischeren Mengenangaben veranlasst. Nach zunächst erwarteten 6,3 Millionen Tonnen rechnen sie nun mit bis zu 14 Millionen Tonnen Erz. Elf Jahre lang könnte das Areal ausgebeutet werden und jährlich 175.000 Tonnen Spodumen liefern.