Die Pflegeversicherung muss einen deutlichen Anstieg der Leistungsempfänger verkraften: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl um 553.000 und damit 20 Prozent auf 3,3 Millionen Bezieherinnen und Bezieher, wie aus einer Studie der Universität Duisburg-Essen hervorgeht. Die Ausgaben wuchsen um 16,9 Prozent auf 35,5 Milliarden Euro. Davor beliefen sich die jährlichen Steigerung auf 4,7 (2015) und 5,8 Prozent (2016).

Als Grund für die Entwicklung nannte das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Uni Duisburg-Essen die demografisch bedingte Zunahme der Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen. Zudem gebe es mehr Leistungsberechtigte. Nach Einführung von fünf Pflegegraden anstelle von drei Pflegestufen im Jahr 2017 sind insbesondere Menschen mit dementiellen Einschränkungen anspruchsberechtigt.

Laut Studie hat sich die Zahl der Leistungsempfänger seit 1995 mehr als verdreifacht. Die Ausgaben haben sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Trotz guter Beschäftigungslage und der Erhöhung des Beitragssatzes um 0,2 Prozentpunkte musste der Erhebung zufolge 2017 auf die Rücklagen zurückgegriffen werden, da die Beitragseinnahmen unter den Ausgaben lagen. "Auch in den nächsten Jahren werden die Ausgaben deutlich ansteigen müssen angesichts der Personalausstattung in der Pflege und den Arbeits- und Entlohnungsbedingungen", teilte das IAQ mit.

Demenz - Ein Stückchen DDR hilft beim Erinnern In einem Dresdner Seniorenheim nutzen Demenzkranke ein Retrozimmer – und erleben, dass sie sich an mehr erinnern als sie wussten.   © Foto: Bart Biesemans

Viele Pflegebedürftige brauchen Zuschüsse

Da die Pflegeversicherung nur einen Teil der Gesamtkosten der Pflege übernimmt, müssen laut Untersuchung immer mehr Pflegebedürftige Sozialhilfe (Hilfe zur Pflege) in Anspruch nehmen. Vor allem bei einer vollstationären Unterbringung reichten die Leistungen der Pflegeversicherung und das eigene Einkommen häufig zur Kostendeckung nicht aus. Zwischen 1998 und 2016 stieg die Zahl der Empfänger von Hilfe zu Pflege um 52 Prozent auf 440.000. 

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz teilte mit, dass der Anstieg nicht überraschend komme. "Denn durch die Pflegereform waren 500.000 zusätzliche Leistungsempfänger erwartbar", sagte Vorstand Eugen Brysch. Davon sei auch der frühere Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) ausgegangen.

Brysch wies darauf hin, dass mit rund 240.000 Pflegebedürftigen der allergrößte Teil in den neugeschaffenen Pflegegrad 1 eingestuft worden sei. "Dieser dient vor allem der Vorbeugung. Ihnen stehen jetzt 125 Euro monatlich für hauswirtschaftliche Hilfe durch einen zugelassenen Dienstleister zur Verfügung." 

Parallel ist an deutschen Krankenhäusern die Zahl der Pflegevollkräfte im vergangenen Jahr leicht angestiegen. 2017 versorgten 328.500 Pflegevollkräfte knapp 19,5 Millionen stationär im Krankenhaus behandelte Fälle, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das waren 3.400 Pflegevollkräfte oder ein Prozent mehr als im Vorjahr.