Die Zahl von Kindergeldempfängern im Ausland ist nach Angaben der Bundesregierung stark gestiegen. Im Juni 2018 erhielten demnach 268.336 Eltern diese Leistung für Kinder, die außerhalb von Deutschland in der Europäischen Union oder im Europäischen Wirtschaftsraum leben. Das ist eine Zunahme um 10,4 Prozent im Vergleich zu Ende 2017, als es nur 243.234 Kinder waren. 2016 betrug die Zahl etwa 232.000.

Die Zahlen steigen hauptsächlich deshalb, weil viele der Empfänger keine deutschen Staatsbürger sind, sondern Familien aus dem EU-Ausland, die einen Wohnsitz in Deutschland haben – und damit ein Anrecht auf Kindergeld.

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) sprach von kriminellen Schleppern, die Sinti und Roma nach Duisburg brächten. "Wir haben derzeit rund 19.000 Menschen aus Rumänien und Bulgarien in Duisburg, Sinti und Roma." Vor knapp sechs Jahren seien es lediglich 6.000 gewesen. Auch Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung sagte, Städte mit niedrigen Mieten lockten gerade Menschen aus Osteuropa an.

In der Statistik werden alle Empfänger im Ausland aufgeführt. Darunter sind demnach auch 31.000 Deutsche, also Staatsbürger, die Kindergeld bekommen, aber im Ausland leben. Während deren Zahl jedoch seit Jahren konstant bleibt, ist die Zahl polnischer Empfänger seit 2017 um fast 15.000 gestiegen, aus Tschechien sind es 5.000 mehr und aus Rumänien knapp 2.000.

Auch viele ausländische Empfänger in Deutschland

In Geldbeträgen ausgedrückt, sieht die Kindergeldzahlung ins europäische Ausland so aus: Die Bundesagentur für Arbeit überwies 2017 etwa 343 Millionen Euro Kindergeld auf Konten im Ausland, wie aus Angaben der Bundesregierung vom März hervorgeht. Vor zehn Jahren waren es 35,8 Millionen Euro – also knapp ein Zehntel.

Andersherum gesehen leben den Angaben zufolge die weitaus meisten Kinder mit ausländischer Staatsbürgerschaft, für die Kindergeld gezahlt wird, in Deutschland. Demnach wurde die staatliche Leistung im Dezember 2017 für 588.000 türkische, 155.000 polnische und 110.000 rumänische Kinder in Deutschland gezahlt.

Hinweise auf Betrug

Die Bundesregierung strebt eine EU-einheitliche Lösung an, wonach sich die Zahlungen künftig an der Höhe der Lebenshaltungskosten im Herkunftsland der Empfänger orientieren. Der Deutsche Städtetag unterstützte das Ansinnen: "Das Kindergeld sollte sich daran orientieren, was Kinder in ihrem tatsächlichen Aufenthaltsland brauchen und nicht die Höhe aufweisen, die in einem anderen Land am Wohnsitz ihrer Eltern gezahlt wird", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy. 

Bei Zahlungen von Kindergeld an die ausländischen Empfänger gibt es auch Hinweise auf Betrug, etwa durch gefälschte Geburtsurkunden für nicht existierende Kinder. Ein Schwerpunkt des Betrugs sei NRW. Bei 100 Verdachtsprüfungen der Familienkasse in Wuppertal und Düsseldorf wurden nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in 40 Fällen fehlerhafte Angaben festgestellt. 400.000 Euro wurden demnach unberechtigt gezahlt. Die Familienkasse fordert deshalb, einen tagesaktuellen Meldedatenabgleich zwischen den Meldebehörden und Sozialleistungs- und Steuerbehörden einzurichten.

Im Juli hat Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link mit ZEIT ONLINE über Armutsmigration und den Missbrauch von Kindergeld in seiner Stadt gesprochen. Hier lesen Sie das Interview.