Die Tariflöhne in Deutschland werden in diesem Jahr so stark zulegen wie seit vier Jahren nicht mehr. Zu diesem Ergebnis kommt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung (pdf), das im Durchschnitt mit einer Tariferhöhung um 3,1 Prozent rechnet. Das hatte es zuletzt 2014 gegeben.

Wie die Wissenschaftler mitteilen, bleibt nach Abzug der allgemeinen Preiserhöhung um 1,7 Prozent im ersten Halbjahr ein realer Lohnzuwachs von 1,4 Prozent. "Damit leisten die Tariflöhne einen wichtigen Beitrag dafür, dass der lange, von einer starken Binnennachfrage getragene Aufschwung weitergeht", sagte WSI-Experte Thorsten Schulten.

Grundlage der Auswertung sind neue, erst 2018 abgeschlossene Tarifverträge und ältere Vereinbarungen, die noch Stufenerhöhungen für 2018 vorsahen. Das Institut geht von knapp 21 Millionen Beschäftigten im Geltungsbereich dieser Tarifverträge aus.

Spitzenreiter ist dabei laut WSI das Bauhauptgewerbe mit einer jahresbezogenen Tariferhöhung von 5,2 Prozent. In der Metallindustrie stiegen die Tariflöhne um 4,0 Prozent und im öffentlichen Dienst von Bund und Gemeinden um 3,4 Prozent.

Im zweiten Halbjahr stehen nur noch wenige größere Tarifabschlüsse auf der Tagesordnung. Wichtigste Branche ist dabei die Chemie-Industrie.