Nach dem Absturz der türkischen Lira hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan den Nato-Bündnispartner USA vor einer weiteren Eskalation der Krise gewarnt. Sollte die US-Regierung die Souveränität der Türkei nicht respektieren, "dann könnte unsere Partnerschaft in Gefahr sein", schreibt Erdoğan in einem  Gastbeitrag für die New York Times. Er drohte, seine Regierung werde ansonsten damit beginnen, "nach neuen Freunden und Verbündeten" zu suchen.

Erdoğan warf der Trump-Regierung außerdem vor, den türkischen Prediger Fethullah Gülen nicht auszuliefern. Die Türkei macht Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Erdoğan schreibt, der Putschversuch ähnele dem, "was das amerikanische Volk zweifellos nach Pearl Harbor und den Angriffen vom 11. September erlebt hat". Gülen lebt im Exil im US-Bundesstaat Pennsylvania. 

Zuvor hatte das türkische Außenministerium mit Vergeltung auf höhere Zölle der USA gedroht. "Allen Schritten gegen die Türkei wird wie bislang die notwendige Antwort gegeben werden", teilte das Außenministerium mit. "Die USA sollten wissen, dass sie mit solchen Sanktionen und Druck keine Ergebnisse erzielen werden."

Im Konflikt mit der Türkei hatte US-Präsident Donald Trump die Krise der türkischen Lira kurz zuvor verschärft. Er schrieb auf Twitter: "Ich habe gerade eine Verdopplung der Zölle auf Stahl und Aluminium hinsichtlich der Türkei bewilligt." Die Beziehungen zur Türkei seien "nicht gut". Trump verwies ausdrücklich darauf, dass die Lira "schnell gegenüber unserem sehr starken Dollar abrutscht".

Die USA fordern die Freilassung des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson und weiterer amerikanischer Staatsbürger. Die Affäre hatte zum Absturz der Lira stark beigetragen. Am Freitag war die Lira nach einer bereits seit Monaten andauernden Talfahrt auf ein neues Rekordtief abgesackt. Ein Maßnahmenpaket zur Rettung der angeschlagenen türkischen Wirtschaft wurde für unzureichend befunden.

Zwei kämpferische Reden des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ließen die Kurse weiter fallen. Er machte den Westen für den Verfall der Lira verantwortlich und rief die Türken dazu auf, Dollar und Euro in Lira umzutauschen. Solidarität werde die wichtigste Reaktion auf den Westen sein. Die Krise sei "künstlich". Die Türkei werde den "Wirtschaftskrieg" gewinnen.