Der Mietanstieg in vielen Teilen Deutschlands setzt sich ungebremst fort. Eigentümer verlangen bei Neuvermietungen kräftige Aufschläge: Die Angebotsmieten kletterten jüngst im Bundesschnitt mehr als doppelt so schnell wie die allgemeine Inflation. Das zeigt eine Antwort des für Bau zuständigen Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Christian Kühn.

Demnach stiegen die Neumieten, die Eigentümer verlangen, im zweiten Quartal 2018 um 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, die Verbraucherpreise aber nur um 2 Prozent. Im ersten Quartal kletterten die Mieten um 5,5 Prozent, während die Inflation 1,5 Prozent betrug. Auch in den dreimonatigen Zeiträumen 2017 wuchsen die Neumieten jeweils viel stärker als die Teuerungsraten. Während die Bundesregierung den Anstieg mit Anreizen für bezahlbaren Wohnraum und einer schärferen Mietpreisbremse bekämpfen will, fordern Verbände weniger Auflagen und Steuern.

Das Innenministerium hatte für die Aufstellung die Angebote von Online-Immobilienplattformen ausgewertet. Einbezogen wurden angebotene Nettokaltmieten unmöblierter Wohnungen zwischen 40 und 130 Quadratmetern ohne Nebenkosten. Mieten aus bestehenden Verträgen wurden nicht erfasst. Über die tatsächlich erzielten Mieten und die Bestandsmieten wurde keine Auskunft gegeben.

Die Bundesregierung will Investoren den Bau bezahlbarer Wohnungen mit Steueranreizen schmackhaft machen. Die Sonderabschreibungen sollen aus Sicht des Finanzministeriums für Objekte gelten, für die zwischen dem 31. August 2018 und dem 31. Dezember 2021 ein Bauantrag gestellt wird, wie es in einem Gesetzesentwurf heißt.

Zudem will die große Koalition die Mietpreisbremse für Regionen mit angespannten Wohnungsmärkten verschärfen. Laut eines Gesetzentwurfes von Justizministerin Katarina Barley (SPD) sollen Vermieter schon vor Vertragsabschluss begründen müssen, wenn sie zehn Prozent oder mehr auf die ortsübliche Miete aufschlagen wollen.