Griechenland verlässt an diesem Montag offiziell den finanziellen Rettungsschirm, den die internationalen Gläubiger für das einst von der Staatspleite bedrohte Land aufgestellt hatten. Die Europartner und der Internationale Währungsfonds gewährten der griechischen Regierung seit 2010 Kredite in Höhe von 289 Milliarden Euro. Nun läuft das dritte und bislang letzte Kreditprogramm aus, die Regierung in Athen kann sich wieder selbstständig am Kapitalmarkt Geld beschaffen.

"Es hat viel länger gedauert als erwartet, aber ich denke, dass wir jetzt da sind", sagte Eurogruppenchef Mário Centeno mit Blick auf die aktuellen Wirtschaftsdaten. Demnach erstarkt die Konjunktur in Griechenland, Staat und Unternehmen verzeichnen erste Überschüsse, die Arbeitslosigkeit sinkt. Allerdings häufte das Land Schulden in Höhe von etwa 180 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) an, mit deren Tilgung es aber erst ab 2032 beginnen muss.

Erreicht wurde dieses Wachstum durch Hunderte teils schmerzhafte Reformen. Sozialleistungen wurden gekürzt, Steuern erhöht, Steuerprivilegien gestrichen. Politiker von Union und FDP fordern, dass die griechische Politik an diesem Kurs festhält. "Der Abschluss des dritten Griechenlandprogramms ist ein wichtiger Zwischenschritt – nicht mehr und auch nicht weniger", sagte Unionsfraktionsvize Ralph Brinkhaus den Zeitungen der Funke Mediengruppe. FDP-Fraktionsvizechef Christian Dürr verwies auf grundsätzliche Schwächen der griechischen Wirtschaft, vor allem sinkende Produktivität, rückläufige Auslandsinvestitionen und eine steigende Anzahl ausfallgefährdeter Kredite.

So wie die Linkspartei – der Wirtschaftsexperte der Partei, Alexander Ulrich, spricht von einer "Rezessions- und Verarmungspolitik" – zieht auch der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis eine bittere Bilanz. "Griechenland steht am selben Punkt, im gleichen schwarzen Loch, und es versinkt jeden Tag tiefer darin", sagte er der Bild-Zeitung. Der Staat sei noch immer pleite, die Menschen seien ärmer geworden, Firmen gingen noch immer bankrott, das Bruttosozialprodukt sei um 25 Prozent gesunken, die Sparvorgaben würden Investitionen und den Konsum behindern. "Wir haben jetzt nur mehr Zeit, um noch mehr Schulden zurückzuzahlen."

Nach Einschätzung des Bundesverbands der Deutschen Industrie ist Griechenland als Markt indes wieder interessant geworden. "Das gute Ende der europäischen Hilfsprogramme ist ein positives Signal für Griechenland selbst und die EU insgesamt", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang der Rheinischen Post. Strukturreformen hätten das Wirtschaftswachstum belebt. Allerdings seien längst noch nicht alle Probleme gelöst. "Die griechische Regierung muss sich nun gezielt den Defiziten in Verwaltung, Justiz, den Arbeits- und Produktmärkten widmen", forderte Lang.