Die Hälfte der heute 55- bis 64-jährigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden deutlich weniger Rente erhalten, als sie derzeit für Wohnen und Konsum ausgeben. Das ist das Ergebnis einer von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung finanzierten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Durchschnittlich fehlen den künftigen Rentnern demnach 700 Euro. Betriebsrenten sollen da bereits eingerechnet sein.

Besonders eng wird es der Studie zufolge für Frauen. Auch Singles, Selbstständige ohne Mitarbeiter und An- und Ungelernte treffe es häufiger.

"Die Akzeptanz für das Alterssystem wird leiden, wenn das Rentenniveau weiter sinkt und ein Mindestlöhner keine höheren Altersbezüge bekommt als jemand, der gar nicht gearbeitet hat", sagt Markus Grabka, einer der Autoren der Studie. Selbst wenn man private Versicherungen, Riester und Rürup-Vetrräge einrechnet, werden immer noch 48 Prozent der 55- bis 64-Jährigen weniger Rente bekommen, als sie benötigen werden, um ihren Lebensstandard zu halten. Von denen, die nur eine gesetzliche Rente erhalten, könnten sogar 63 Prozent ihre bisherigen Ausgaben nicht decken.

Entscheidend werde deshalb in vielen Fällen das private Vermögen sein. Doch auch wenn man das einrechne, könne jeder Vierte seine bisherigen Ausgaben ab dem Renteneintritt nicht mal fünf Jahre lang bestreiten. Zudem seien die Vermögen in Deutschland ungleich verteilt: Die zehn Prozent mit dem höchsten Einkommen, die bald in Rente gehen, hätten im Schnitt 400.000 Euro zurückgelegt, die ärmeren 50 Prozent maximal 100.000 Euro. Am wenigsten Sorgen müssen sich Beamte machen: Hier könnten nur 13 Prozent von ihrer Rente den Lebensstandard nicht halten.

Die Autorinnen und Autoren der Studie widersprechen der These, dass man im Ruhestand mit weniger auskommt als im Berufsleben. Zwar würden etwa Kosten fürs Pendeln wegfallen. Dafür würden sich aber die Ausgaben bei Krankheit und Pflege erhöhen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler raten dazu, dass der Staat vor allem Geringverdienern mehr Rente zahlen sollte und dafür Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit hohem Einkommen mehr in die Rentenkassen einzahlen sollen.