Grothus: Die Kommission hat über den Wald diskutiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass er nicht in ihr Mandat fällt. Aber aus der Sicht der Umweltverbände und ihrer Vertreter in der Kommission ist natürlich klar, dass eine Rodung die Arbeit dort belasten würde. Womöglich würde der ein oder andere im Fall einer Rodung seine Arbeit in der Kommission niederlegen müssen.

ZEIT ONLINE: Sie zum Beispiel?  

Grothus: Der BUND, der in Münster gegen die Rodung klagt, und ich, wir sind ja nicht ohne Grund in die Kommission berufen worden. Man kann kaum von uns erwarten, unsere Haltung – wir setzen uns seit Jahren für den Erhalt des Waldes ein – aufzugeben.

ZEIT ONLINE: Was heißt das konkret?  

Grothus: Ich vertrete nicht nur die vom Tagebau Hambach Betroffenen, sondern auch die Anwohner des Tagebaus Garzweiler. Dort sollen fünf Dörfer umgesiedelt werden, das betrifft zwei- bis dreitausend Menschen. Als ich in die Kommission berufen wurde, habe ich ganz klar gesagt: Ich erwarte, dass in Hambach und in Garzweiler keine Fakten geschaffen werden, während die Kommission noch tagt. Aber genau das versucht RWE jetzt, an beiden Standorten.

ZEIT ONLINE: Trotzdem sind Sie im Moment noch Mitglied der Kommission.  

Grothus: Und ich möchte dort weiterhin konstruktiv mitarbeiten. Aber ich habe eine bestimmte Haltung und bestimmte Werte. Natürlich gibt es Gründe, aus denen ich mir vorstellen könnte, diese Arbeit niederzulegen. So eine Entscheidung kann ich aber nur nach reiflicher Überlegung und in gründlicher Absprache mit den Menschen, die ich repräsentiere, treffen.

ZEIT ONLINE: Wie läuft die Arbeit in der Kohlekommission generell?  

Grothus: Unser Zeitplan ist ambitioniert. Das, was die Bundesregierung in Jahren nicht zustande bekommen hat, sollen wir jetzt in sechs Monaten schaffen. Im Moment sind wir noch in einer Phase, in der wir die wissenschaftliche Faktenlage dargestellt bekommen. Es geht unter anderem um Versorgungssicherheit und Strukturpolitik. Ich sehe das vor allem als Möglichkeit, mir auf wissenschaftlicher Basis meine Meinung zu bilden und mögliche Vorurteile zu hinterfragen. Natürlich ist der Einfluss der fossilen Lobby in der Kommission deutlich spürbar. Aber der Einfluss der Umwelt- und Klimaschützer ist es genauso.

Jeder macht sich Gedanken um die Beschäftigten in der Kohle, auch wir

ZEIT ONLINE:  Was sagen Sie den Leuten, die Angst um ihre Arbeitsplätze in der Kohle haben?

Grothus: Jeder macht sich Gedanken um die Beschäftigten, auch wir. Der Kohleausstieg muss sozial verträglich sein – aber das darf man doch nicht nur auf die Arbeitsplätze beziehen. Für die Anwohner ist die Kohleförderung noch nie sozial verträglich gewesen. Und jeder weiß, dass die sicheren, zukunftsfähigen Arbeitsplätze nicht in der Kohle liegen. Wer den Menschen etwas anderes sagt, belügt sie.

Wir hören im Rheinischen Revier immer, der Strukturwandel brauche Zeit. In Wahrheit bedeutet das aber nur, dass RWE und die IGBC Alsdorf an der Kohle festhalten wollen. Eigene Konzepte dafür, was danach kommen könnte, haben sie nicht. Ich finde es einfach schade, dass so viel Energie in das Festhalten an der Kohle fließt anstatt in die Frage, wie man den Wandel von Gesellschaft und Wirtschaft hin zu einer klimafreundlichen Lebens- und Wirtschaftsweise voranbringen kann. Dabei ist doch das für Deutschlands Zukunft die entscheidende Frage.