Mehr als ein Drittel der Auszubildenden in Deutschland muss regelmäßig Überstunden machen, rund die Hälfte muss auch nach Feierabend für die Ausbilderinnen und Ausbilder mobil erreichbar sein. Das zeigt der aktuelle Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), für den 14.959 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen befragt wurden. Der DGB beklagt einen zunehmenden Flexibilisierungsdruck, unter dem die jungen Menschen stünden.

Zum Start des Ausbildungsjahrs zeigt sich, dass Unternehmen weiterhin Probleme haben, geeignete Kandidaten zu finden. Auch in diesem Jahr werden Zehntausende Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Der Ausbildungsreport zeigt einen möglichen Grund dafür: Nachwuchssorgen haben demnach Branchen, die für "miserable Ausbildungsbedingungen und schlechte Vergütung bekannt sind", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack und nennt dafür das Hotel- und Gaststättengewerbe, den Einzelhandel und Teile des Handwerks als beispielhaft. 

Hinzu kommt, dass es 2018 erstmals seit Jahren auch rein statistisch weniger Bewerbungen als Stellen in der betrieblichen Ausbildung gibt. So wurden laut Bundesagentur für Arbeit bis Juli mehr als 530.000 Lehrstellen gemeldet, aber es gab nur rund 500.000 Interessenten. Denn die Schülerzahlen sinken, während der Bedarf von Firmen an Mitarbeitern steigt.

Somit blieben auch dieses Jahr Lehrstellen unbesetzt – knapp 49.000 waren es laut Berufsbildungsbericht. Und das, obwohl im vergangenen Jahr die Zahl der Jugendlichen, die eine Ausbildung anfingen, zum ersten Mal seit Jahren wieder gestiegen war. Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass das vor allem darauf zurückzuführen ist, dass viele Flüchtlinge eine Ausbildung begonnen haben. Dennoch blieben knapp 25.000 Bewerberinnen und Bewerber ohne Lehrstelle, weil Betriebe und potenzielle Lehrlinge nicht zueinanderfanden.

Schichtdienst, Ruhezeiten, Überstunden

Generell sind laut der DGB-Befragung rund zwei Drittel der Auszubildenden in Deutschland mit ihrer Situation zufrieden. Die Tendenz ist von 72 auf rund 70 Prozent leicht gesunken und sehr stark branchenabhängig: Verwaltungsfachangestellte, Mechatroniker und Industriemechanikerinnen sind besonders zufrieden, Hotelfachleute, zahnmedizinische Fachangestellte sowie Auszubildende im Einzelhandel und in Teilen des Handwerks bewerten die Arbeitsbedingungen und Vergütung in ihren Betrieben dagegen als besonders schlecht. Die durchschnittliche Ausbildungsvergütung über alle Jahre und Berufe hinweg beträgt derzeit 766 Euro.

Hinzu kommt die Arbeitszeit: Demnach sind 80 Prozent der auszubildenden Hotelfachfrauen und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk im Schichtdienst tätig. Bei jedem Zweiten werde die gesetzliche Ruhezeit nicht eingehalten, viele müssten auch am Wochenende arbeiten.

Das erkläre laut DGB auch eine hohe Abbruchquote bei den Ausbildungen – laut Berufsbildungsbericht war es zuletzt jeder vierte Lehrling. Allerdings wechseln die Azubis in rund der Hälfte dieser Fälle auf einen anderen Ausbildungsplatz. Der Anteil reiner Abbrüche lag bei zwölf bis 13 Prozent.

Hannack forderte die Bundesregierung auf, die angekündigte Novelle des Berufsbildungsgesetzes auf den Weg zu bringen. Nötig sei unter anderem eine Mindestvergütung für Azubis etwa im ersten Ausbildungsjahr von mindestens 635 Euro im Monat. Diese gibt es bisher nicht.