Der größte britische Autobauer Jaguar Land Rover fährt nach eigenen Angaben wegen des Brexit und der Dieseldebatte seine Produktion erheblich zurück. Bis Weihnachten soll nur an drei Tagen pro Woche im Werk Castle Bromwich bei Birmingham gearbeitet werden. So könnten Entlassungen vermieden werden, teilte das Unternehmen mit.

Bereits im Frühjahr hatte der Autokonzern angekündigt, 1.000 Jobs zu streichen. Ein schlechter Brexit-Deal könne die Zukunft der Traditionsmarke gefährden, warnte kürzlich Geschäftsführer Ralf Speth. Dies könnte Jaguar Land Rover jedes Jahr mehr als 1,2 Milliarden Pfund (etwa 1,35 Milliarden Euro) kosten. Das Unternehmen verkauft jedes fünfte Auto in andere europäische Länder.

Warnung vor schwächerem Pfund und höherem Defizit

Der Internationale Währungsfonds warnte, ein Austritt Großbritanniens aus der EU ohne ein Abkommen werde die britische Wirtschaft erheblich schwächen. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte, unvermeidbare Folgen wären unter anderem ein reduziertes Wachstum, sehr wahrscheinlich ein höheres Defizit und eine Abwertung des britischen Pfundes in London. Schatzkanzler Philip Hammond ermahnte die Regierung, die Warnungen zu beherzigen. 

Auch viele Unternehmen sind besorgt. Der britische Notenbank-Chef Mark Carney sprach von der Gefahr von Preiseinbrüchen am Immobilienmarkt. Viele Banken haben seit der Brexit-Entscheidung viele Jobs aus London verlagert. Damit wollen sie erreichen, dass sie weiterhin wichtige Dienstleistungen für EU-Kunden erbringen können und den Zugang zum EU-Finanzmarkt nicht verlieren.

Großbritannien will Ende März 2019 die Europäische Union verlassen. Die Verhandlungen zwischen London und Brüssel verlaufen zäh, unter anderem wegen Unklarheiten über den Umgang mit der neuen EU-Außengrenze, die dann zwischen Irland und Nordirland verlaufen würde. Auch in der britischen Regierungspartei, den Tories, ist umstritten, unter welchen Bedingungen der Brexit ablaufen soll.  

Premierministerin unter Druck

Premierministerin Theresa May hatte ihre innerparteilichen Kritiker gewarnt: Entweder sie unterstützten ihren Plan oder das Land werde ohne Einigung mit Brüssel aus der EU ausscheiden, sagte May in einem BBC-Interview. Einen berechenbaren Austritt hält May nur auf Grundlage des von ihr vorgelegten Plans für denkbar: "Die Alternative wäre es, überhaupt keinen Deal zu bekommen."

May warnte ihre Kritiker im Unterhaus vor Illusionen: "Glauben wir wirklich, dass uns die EU einen besseren Deal anbietet, wenn das Parlament sagt: 'Nein, geht zurück und holt mehr heraus'?", sagte May. Sie warnte vor den potenziell chaotischen Folgen eines ungeordneten EU-Austritts: "Viele Unternehmen würden dann womöglich das Land verlassen."  Sollten sich Mays Unterhändler mit der EU auf eine Austrittsvereinbarung einigen, müsste danach das britische Unterhaus zustimmen.

Ob dort eine Mehrheit zustande kommt, ist allerdings wegen der vielen Brexit-Hardliner in Mays Partei fraglich. Einer ihrer Wortführer, der frühere Außenminister Boris Johnson, kritisiert Mays Vorgehen immer wieder. So nannte er Mays Brexit-Plan im Daily Telegraph eine "verfassungsrechtliche Scheußlichkeit". Zuvor hatte er den Plan bereits mit der Sprengstoffweste eines Selbstmordattentäters verglichen.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan von der oppositionellen Labour-Partei forderte angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Folgen ein erneutes Brexit-Referendum. Die Menschen hätten den Brexit nicht gewählt, um sich selbst ärmer zu machen oder zu sehen, wie ihre Unternehmen und das Gesundheitssystem leiden würden. Auch hätten sie nicht gewollt, dass sich die Polizei auf Bürgerunruhen vorbereite oder die nationale Sicherheit gefährdet werde, wenn die Zusammenarbeit mit der EU im Kampf gegen den Terrorismus geschwächt werde.